AGDF ermutigt EKD-Landeskirchen, sich verstärkt mit Friedensfragen zu beschäftigen

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(22.09.2017) Der Geschäftsführer der evangelischen Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF), Jan Gildemeister (Bonn), hat die Landeskirchen der EKD ermutigt, sich stärker mit Friedensfragen zu beschäftigen, sich dabei am 2007 von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) übernommenen Leitbild des gerechten Friedens zu orientieren und sich so in gesellschaftliche Diskussionen einzubringen. In einem Vortrag vor der Kammer für Öffentliche Verantwortung der Lippischen Landeskirche in Detmold nannte der AGDF-Geschäftsführer dabei die Diskussion um den Besitz und die Drohung mit dem Einsatz von Nuklearwaffen, die Rüstungsexporte, die Militärausgaben und die Auslandseinsätze der Bundeswehr als wichtige Handlungsfelder einer evangelischen Friedensarbeit.

So gehe es beispielsweise darum, Schritte zu unterstützen hin zu einer „dringend nötigen“ Ächtung atomarer Massenvernichtungswaffen, meinte Gildemeister. Dazu gehöre die Forderung nach einem deutschen Beitritt zum gerade von 122 Staaten verabschiedeten Vertrag zum Verbot von Atomwaffen. Ebenso müssten die Kirchen die immer weiter steigenden Rüstungsausgaben kritisch hinterfragen, nicht zuletzt auch die von der NATO angestrebten Anhebung des Verteidigungsetats auf zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Und auch die Auslandsmissionen der Bundeswehr bedürften nach Ansicht des AGDF-Geschäftsführers einer kritischen Analyse.

„Das Konzept des gerechten Friedens, dass seit den 1980er-Jahren auf ökumenischen Versammlungen in Deutschland, Europa und weltweit weiterentwickelt wurde, ist heute Leitbild christlicher Friedensethik“, so Jan Gildemeister. Und er betont: „Es steht für einen weiten Friedensbegriff. Der gerechte Friede wird als ein Prozess verstanden, in dem sich schrittweise Gewaltfreiheit und Gerechtigkeit für Menschen und Schöpfung durchsetzen.“

Vor der Kammer für Öffentliche Verantwortung in Detmold verwies der AGDF-Geschäftsführer auf die Veränderungen der evangelischen Friedensarbeit in den vergangenen zehn Jahren nach Veröffentlichung der EKD-Friedensdenkschrift 2007. So sei ein Friedensbeauftragter des Rates der EKD berufen worden, ebenso eine Konferenz für Friedensarbeit im Raum der EKD, in der alle Akteure der Friedensarbeit zusammenkommen würden. In zahlreichen Stellungnahmen, so 2016 zum Weißbuch zur Sicherheitspolitik und Zukunft der Bundeswehr, werde versucht, die Positionen der EKD-Friedensdenkschrift zu konkretisieren. Daneben gebe es zahlreiche Stellungnahmen aus dem Raum der evangelischen Kirche, so jüngst das „Berliner Memorandum ,Sicherheit neu denken – Wege des Friedens in Europa“  oder während des Kirchentags 2017 das „Magdeburger Friedensmanifest“. Auf große Beachtung würden zudem die Beratungen und Veröffentlichungen des Ökumenischen Rates der Kirchen zum kirchlichen Friedensengagement stoßen, fügte Gildemeister hinzu.

Er sei froh, dass sich in den vergangenen Jahren immer mehr Landeskirchen der EKD mit Fragen von Frieden und Gerechtigkeit befassen würden, unterstrich der AGDF-Geschäftsführer und lud auch die Lippische Landeskirche ein, sich daran zu beteiligen. Jan Gildemeister verwies auf die Evangelische Kirche in Baden, die als eine der ersten EKD-Gliedkirchen einen friedensethischen Prozess in Gang gesetzt habe, an dem sich immer mehr Landeskirchen nun auch orientieren würden, allerdings mit ganz eigenen Akzenten. „Allen gemeinsam ist aber der Versuch, Aspekte von militärischer Gewalt und ihren Alternativen, die Bedeutung der Gewaltfreiheit und der Mittel ziviler Konfliktbearbeitung sowie Aspekte eines erweiterten Friedensbegriffs mit Fragen der Ungerechtigkeit, der Zerstörung der Umwelt als Kriegsursachen sowie der Bedeutung der Friedensbildung in den Blick zu nehmen“, so Jan Gildemeister. 
(Dieter Junker)

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Vortrag Jan Gildemeister: Kirche des gerechten Friedens werden (Detmold 2017)