AGDF kritisiert scharf U-Haft für Peter Steudtner in der Türkei

AGDF

(18.07.2017) Die evangelische Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) hat die Entscheidung eines türkischen Haftrichters, den Deutschen Peter Steudtner und fünf weitere Menschenrechtler wegen der angeblichen Unterstützung von Terrororganisationen in Untersuchungshaft zu nehmen, scharf kritisiert und die Bundesregierung aufgefordert, sich gegenüber der türkischen Regierung mit allem Nachdruck für eine sofortige Freilassung der sechs Personen einzusetzen.

„Die Terrorvorwürfe sind absurd und haltlos“, betont Jan Gildemeister. Peter Steudtner setze sich seit vielen Jahren unter anderem für Brot für die Welt oder die Bildungs- und Begegnungsstätte für gewaltfreie Aktion Kurve Wustrow für eine friedliche und zivile Lösung von Konflikten ein, unterstreicht der AGDF-Geschäftsführer. „Wenn jetzt in türkischen Medien behauptet wird, er sei ein britischer Geheimagent oder habe in der Türkei einen Staatsstreich vorbereitet, so sind das in meinen Augen vorgeschobene Gründe, um gegen Menschenrechtler vorgehen zu können“, macht Jan Gildemeister klar.

Peter Steudtner war am 5. Juli mit weiteren Personen in Istanbul bei einem Workshop zu IT-Management und den gewaltfreien Umgang mit Konflikten verhaftet worden. Der Deutsche gehörte gemeinsam mit dem Schweden Ali Gharawi zu einem Team der niederländischen Entwicklungsorganisation HIVOS, die in einem Projekt zur Unterstützung von Menschenrechtlern und Entwicklungsorganisationen arbeiteten. Am 18. Juli wurde nun von einem Haftrichter die Untersuchungshaft angeordnet, die in der Türkei bis zu fünf Jahre andauern kann.

„Es drängt sich der Eindruck auf, dass hier mit vorgeschobenen Vorwürfen die zivilgesellschaftliche Menschenrechtsarbeit in der Türkei weiter unterdrückt werden soll“, glaubt der AGDF-Geschäftsführer. Er erwartet, dass die Bundesregierung ihren Druck auf die Türkei deutlich erhöht. „Deutschland muss sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln für die sofortige Freilassung von Peter Steudtner, aber auch den anderen Workshop-Teilnehmern einsetzen und über die Botschaft in der Türkei alles tun, damit Anwälte und Familienangehörige freien Zugang zu den Betroffenen haben und ihre physische und psychische Integrität und Sicherheit gewährleistet ist“, macht Jan Gildemeister deutlich.
(Dieter Junker)