Café #Friedenswege zeigte Vielfalt der evangelischen Friedensarbeit

Evangelische Friedensarbeit

(01.02.2018) Es war sicher eins der umstrittenen Projekte der evangelischen Friedensarbeit im Reformationsjubiläum, das Café #Friedenswege im Rahmen der Weltausstellung Reformation in Wittenberg. Hier hatten sich die Konferenz für Friedensarbeit im Raum der EKD, die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK), die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) und die Evangelische Seelsorge in der Bundeswehr entschlossen, sich gemeinsam für das Thema Frieden stark zu machen und zukunftsweisende Impulse zu setzen. Heute wurde in Bonn die Bilanz präsentiert. Bei der Jahrestagung der Konferenz für Friedensarbeit in Loccum wird die Bilanz auch Thema der Beratungen sein.

„Dass sich die evangelische Friedensarbeit in dieser Spannweite der Positionen und Arbeitsweisen einem Weltpublikum präsentiert hat, war für viele ein großes Wagnis“, sind Wolfgang Burggraf (EAK) und Veronika Drews-Galle (Evangelische Seelsorge in der Bundeswehr) von der Projektleitung des Café Friedenswege überzeugt. Einige Mitglieder der Konferenz für Friedensarbeit hatten sich im Vorfeld bewusst gegen eine aktive Mitarbeit entschieden, da insbesondere die Nähe zur Evangelischen Seelsorge für die Bundeswehr für sie nicht akzeptabel erschien. Dennoch stimmte die Konferenz für Friedensarbeit wie auch die Vorstände von AGDF und EAK dem Projekt unter dem Dach der Konferenz zu.

Das Café #Friedenswege, das im Themenbereich Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung bei der Weltausstellung in Wittenberg angesiedelt war, sollte eine Plattform bieten für Dialoge und Aktionen zum Thema Frieden. Dabei sollten die mitwirkenden Gruppen und Akteure die Möglichkeit haben, das biblische Leitmotiv des Cafés, „… und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens“, aus ihrer Perspektive zu konkretisieren und mit den Besuchern ins Gespräch kommen. „Das ging nicht ohne Reibungen, aber es war sehr spannend. Gestandene Militärpfarrerinnen mit reichlich Erfahrung in Auslandseinsätzen und junge Pazifisten mit einer Leidenschaft für radikale Gewaltlosigkeit mussten erst einmal eine Ebene finden, auf der sie sich begegnen und dann mit Besucherinnen und Besuchern des Cafés ins Gespräch kommen konnten. Ein Friedensprojekt ganz eigener Art“, beschreibt dies Oberkirchenrat Dr. Roger Mielke vom Kirchenamt der EKD seine Erfahrungen vor Ort.

Zwei zentrale Dialoginstrumente haben sich dabei nach Ansicht der Projektbeteiligten bewährt: Die Wochenfrage, die gut sichtbar an der Außenwand des Cafés angeschlagen und zugleich mit Hilfe von Abstimmungssäulen im Eingangsbereich zu Diskussion gestellt wurde. Und zum anderen das Angebot, Friedensstatements auf wiederbeschreibbaren Motivtafeln zu verfassen, die dann fotografiert und auf der Internetpräsenz des Cafés online gestellt und über Online-Medien verbreitet wurden. „Ein weiteres wichtiges Angebot im Tagesverlauf war das Friedensgebet, das in der Regel täglich um 12 Uhr in den sakralen Räumen am Schwanenteich stattfand und auf guten Zuspruch stieß“, so EAK-Geschäftsführer Wolfgang Burggraf.

Die Besucherzahlen – gezählt wurden insgesamt 8912 Gäste – blieben hinter den Erwartungen zurück. „Einige Besucher kamen öfter ins Café, um den schönen ruhigen Ort mit Blick auf den Schwanenteich zu genießen. Doch viele kamen nicht nur, um sich auszuruhen, sondern auch, weil sie das Gespräch oder ein offenes Ohr für ihre Sorgen suchten“, meint dazu Wolfgang Burggraf. Seelsorgerliche Gespräche seien so zu einem wichtigen Aufgabenfeld für die Mitarbeiter des Cafés geworden. Während der Weltausstellung waren im Café #Friedenswege sowohl zivile Friedensfachkräfte wie auch Militärseelsorger als Ansprechpartner vor Ort.

Doch das Café sollte nicht nur ein realer Ort während der Weltausstellung in Wittenberg sein, sondern auch eine virtuelle Anlaufstelle im Internet, wo auf einer eigenen Webseite Statements gesammelt und Erfahrungen ausgetauscht werden konnten. Allerdings wurde die virtuelle Dimension nur wenig genutzt, bedauern die Projektverantwortlichen. 26 Blogbeiträge wurden veröffentlicht, es gab 231 Tweets. Im Schnitt wurden zwischen 2000 und 3300 Besucher auf der Webseite gezählt, so das Projektteam.

In Anlehnung an die jeweiligen Themenwochen gab es zudem immer wieder Veranstaltungen mit Podiumsgesprächen, Präsentationen, Workshops, offenen Gesprächsrunden und Pressekonferenzen, die durchaus auf Resonanz stießen und von den Besuchern der Weltausstellung angenommen wurden.

Und was wird bleiben nach 95 Tagen? „Wir denken, dass das Projekt wichtige Fragen aufgeworfen hat und wir hoffen, dass die Auswertung die weitere Diskussion um die Zukunft der evangelischen Friedensarbeit im Raum der EKD befruchtet“, meint Wolfgang Burggraf. Und Veronika Drews-Galle sagt: „Was die evangelische Friedensarbeit mit den wertvollen Erfahrungen macht, die sie gesammelt hat, muss sich noch erweisen. Hieran wird am Ende zu messen sein, wie nachhaltig das Projekt tatsächlich war.“
(Dieter Junker)

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Bilanz Café #Friedenswege bei der Weltausstellung Reformation