In der Freiheit der Gnade die Schönheit des Gesetzes erkennen

AGDF

(31.07.2017) In der Freiheit der Gnade auch die Schönheit des Gesetzes erkennen. Dafür plädiert der mennonitische Theologe Dr. Joel Driedger in einem Impuls zum Reformationsjubiläum. Einige Reformatoren hätten gedacht, das Gesetz verenge den Raum der Freiheit, es sei nur dafür vorgesehen, das Sünderdasein zu verdeutlichen, so der Pastor der mennonitischen Gemeinde in Berlin. „Sie dachten, das Gesetz stünde der Gnade entgegen. Tatsächlich aber ist das Gesetz in der Gnade aufgehoben“, betont Driedger. Sola Gratia bedeute daher nicht, sich für die Gnade und gegen das Gesetz zu entscheiden, sondern: „Auch das Gesetz ist Gnade.“

Der mennonitische Theologe verweist auf das Matthäus-Evangelium, wo die Rede ist von den Lilien auf dem Felde, vom Licht der Welt und von der Gnade Gottes, die die Sonne aufgehen lasse über Böse und Gute. Dies sei nicht gesprochen worden, um die Menschen zur Erkenntnis ihrer Sünde und Ohnmacht zu führen, sondern: „Diese Worte wurden gesagt, um unsere Augen für den Glanz Gottes zu öffnen, der oft genug in der Schönheit der Schöpfung sichtbar wird“, meint Joel Driedger.

Er verstehe, dass es für viele vielleicht nicht verständlich sei, warum im Reformationsjubiläum von der Schönheit der Gesetze gesprochen werde, statt über die Grundkenntnis der Reformation zu reden, wonach allein durch die Gnade der Mensch in den Augen Gottes gerecht werde, räumt der Theologe ein. Aber er gibt auch zu bedenken: „Im Angesicht Gottes wird Gnade lebendig. Im Angesicht Gottes empfing Mose das Gesetz. Das Gesetz kommt von Gottes Angesicht und führt zu einem gelingenden Leben in Gott. Das Gesetz soll die Augen der Menschen nicht verdunkeln, sondern bereit machen für den Glanz Gottes.“ Und: „Das Gesetz versklavt nicht, sondern öffnet den Weg zum Leben“, so Joel Driedger. Im Jahr des Reformationsjubiläums sei es daher durchaus sinnvoll, dies wieder zu entdecken. Denn die Gnade Gottes habe den Menschen einen Raum der Freiheit geöffnet, nicht zuletzt auch, um die Schönheit des Gesetzes zu genießen, ist der mennonitische Theologe überzeugt.

Der Impuls „Die Schönheit des Gesetzes“ ist der achte Beitrag eines von der Arbeitsgemeinschaft dienst für den Frieden (AGDF) am Reformationstag 2016 gestarteten Projekts „Reformation heute – Gewalt absagen und Frieden wagen“, mit dem die AGDF einen Beitrag zum Reformationsjubiläum leisten, sich kritisch mit der reformatorischen Geschichte auseinandersetzen und dabei einen Fokus auf Gewalt und Gewaltfreiheit legen will. Die Impulse, die dazu veröffentlicht werden, sollen Denkanstöße für eine weitere Diskussion sein.

Der Beitrag „Die Schönheit des Gesetzes“ von Dr. Joel Driedger findet sich auf der Homepage der AGDF (www.friedensdienst.de). Dort stehen auch die weiteren bereits erschienenen Beiträge dieses Reformationsprojektes der AGDF.
(Dieter Junker)

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Impuls von Joel Driedger zum Reformationsjubiläum