Die EAK von 1956 bis heute

1948 beschloss die Vollversammlung des ökumenischen Rates der Kirchen: „Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein“. Zwei Jahre später, 1950, knüpfte die EKD-Synode von Berlin-Weißensee daran an und legte fest: „Wir begrüßen es dankbar und voller Hoffnung, dass Regierungen durch ihre Verfassung denjenigen schützen, der um seines Gewissens willen den Kriegsdienst verweigert. Wir bitten alle Regierungen der Welt, diesen Schutz zu gewähren. Wer um des Gewissens Willen den Kriegsdienst verweigert, soll der Fürsprache und der Fürbitte der Kirche gewiss sein.“

Anlässlich der Gründung der Bundeswehr 1955 schlug die EKD die gesetzliche Regelung zum Schutz der Kriegsdienstverweigerer vor. Die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend (AGEJD) nahm sich den Wehrpflichtigen in einem Arbeitskreis für Wehrdienstfragen an. Darauf aufbauend und im Zusammenhang mit der Einführung der Allgemeinen Wehrpflicht in Deutschland 1956, wurden zwei Unterausschüsse gebildet: 1956 die „Evangelische Arbeitsgemeinschaft zur Betreuung der Kriegsdienstverweigerer (EAK)“ und 1957 die „Evangelische Arbeitsgemeinschaft zur Soldatenbetreuung (EAS)“.

Im Jahr 1961 erfolgte die Einführung des zivilen Ersatzdienstes. Damit verbunden war der Aufbau seelsorgerlicher Begleitung und Beratung für Ersatzdienstleistende. Haupt- und nebenamtliche Beauftragte in den Landeskirchen boten Rüstzeiten an.

In den 1960er/ 1970er Jahren engagierte sich die EAK gegen die restriktive Praxis der Gewissensprüfung in den Verfahren für Kriegsdienstverweigerung.

1971 erschien erstmals die Zeitschrift „was uns betrifft“ (wub). Sie entstand von Zivildienstleistenden für Zivildienstleistende. 1996 erfolgte die Umbenennung in „zivil - Zeitschrift für Frieden und Gewaltfreiheit“. Die Zeitschrift war ein wesentlicher Bestandteil der Seelsorge. Seit 2010 wird die Zeitschrift als Internetseite (zivil.de) fortgeführt.

Seit 1982 zeigte sich ein zunehmendes Engagement für das „Menschenrecht KDV“ sowohl im europäischen als auch im internationalen Kontext.

Das Gesetz zur Neuordnung des Rechts der Kriegsdienstverweigerung und des Zivildienstes, welches 1984 in Kraft trat, ermöglichte ungedienten KDV-Antragsstellern einen schriftlichen Antrag mit persönlicher Begründung zu stellen. Die Gewissensprüfung war nur noch bei Soldaten zulässig, die während des Wehrdienstes oder danach Kriegsdienstverweigerung beantragten.

Nach dem Inkrafttreten des Gesetzes erfolgte ein verstärkter Einsatz für die Ausgestaltung des Zivildienstes als Sozialer Friedensdienst (SFD) und der Auf-und Ausbau der Zivildienstseelsorge und–beratung in den Landeskirchen.

Ab 1985 zählen auch die Unterstützung und der Einsatz für die gesellschaftliche und gesetzliche Rehabilitierung der Kriegsdienstverweigerer und Deserteure der Wehrmacht und anderer Opfer der NS-Militärjustiz zu den Arbeitsschwerpunkten der EAK.

1990/91 machte sich die EAK für die Abschaffung der Wehrplicht und für die Idee der zivilen Konfliktbearbeitung stark. Zu den Mitgliedern in der EAK gehörten nun auch die evangelischen Landeskirchen in den neuen Bundesländern.  

Im Jahr 1994 erfolgte erstmals die Verleihung des Friedrich Siegmund-Schultze-Förderpreises für gewaltfreies Handeln.

Ab 2003, nach Inkrafttreten eines neuen KDV-Gesetzes, wird den Antragstellern das Verfahren erleichtert. Das bedeutet, dass die mündlichen Anhörungsverfahren vor den Ausschüssen und Kammern für Kriegsdienstverweigerung entfallen, das schriftliche Verfahren vereinfacht wird und das Bundesamt für den Zivildienst künftig in der Regel nach Aktenlage entscheidet.

2009 zog die Bundesgeschäftsstelle der EAK von Bremen nach Bonn.

Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung besteht auch nach Aussetzung der Wehrpflicht in Deutschland im Jahr 2011, insofern berät die EAK auch heute noch Soldaten und Soldatinnen, die den Kriegsdienst verweigern und setzt sich sowohl national als auch international für ihre Rechte ein.

Seit 2012 betrifft dies auch Soldatinnen und Soldaten im Sanitätsdienst.

Zusätzlich engagiert sich die EAK – wie auch schon in früheren Jahren - verstärkt in anderen Bereichen der Friedensarbeit, besonders in Fragen der Friedensbildung und Gewissensbildung. Dem wurde damit  Rechnung getragen, dass die EAK im Jahr 2011 in „Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden“ umbenannt wurde.   

Heute ist die EAK in Deutschland eine der wenigen Anlaufstellen für Kriegsdienstverweigerer und Kriegsdienstverweigerinnen.

 

Hier erhalten sie einen tabellarischen Überblick über die Geschichte der EAK.