EAK Rundbrief Juni 2017

Liebe Mitglieder der EAK,
liebe Freundinnen und Freunde der EAK-Friedensarbeit,

kennen Sie Johannes Odenbach? Das Reformationsjubiläum  bietet eine gute Gelegenheit, an diesen bemerkenswerten Pfälzer Theologen zu erinnern, der mit seinem  Protest gegen die Verfolgung der pazifistischen Täufer  zu den Ausnahme-Protestanten der ersten Reformatoren-Generation gehört. 1528 erfährt Odenbach von der Festnahme einer Gruppe taufgesinnter Christen in Alzey. Um die zu erwartende Verhängung der Todesstrafe gegen die inhaftierten Täufer zu verhindern, publiziert er öffentlichkeitswirksam einen „Sendbrief und Ratschlag an verordnete Richter über die armen Gefangenen zu Alzey so man nennt Wiedertäufer“. Empört darüber, dass kompromisslos friedfertige Mitchristen wie Kriminelle behandelt werden, hält er dem Richterkollegium entgegen.: „liebe Freunde, vergreift Euch nicht an der göttlichen Majestät, auf dass nicht der Zorn Gottes über Euch gehe ... Ihr habt gesehen, dass viele Diebe, Mörder und Bösewichte barmherziger im Gefängnis behandelt wurden als diese Armen, die doch nicht gestohlen, nicht gemordet, nicht geraubt, nicht gebrannt, nicht verraten oder schädliche Missetaten begangen haben.“ Odenbach bietet seine Prozessteilnahme an; doch schon durch seinen eindrücklichen Sendbrief kann er erreichen, dass die Richter sich geschlossen dem Todesurteil verweigern.  Erst auf massiven  landesherrlichen Druck hin kommt es dennoch zeitverzögert zur Hinrichtung der Angeklagten.

Es hat lange gedauert, bis Odenbachs Menschenrechts-Monitoring, das den Konflikt mit der Obrigkeit nicht scheute, in der evangelischen Kirche einen Platz fand. Auch heute sitzen Kriegsdienstverweigerer zusammen mit Gewalttätern hinter Gittern. Auch heute sind verfolgte oder diskriminierte Kriegsgegner auf Lobby-Arbeit, Stellungnahmen und Prozessbeobachtung von Menschenrechtsverteidigern angewiesen. Es ist gut, dass die EAK als Mitglied des Europäischen Büros für Kriegsdienstverweigerung (EBCO) und in Zusammenarbeit z.B. mit Connection e.V.  die Notwendigkeit des  kirchlichen Engagements für Gewissensfreiheit und ein Nein zum Krieg wach hält.

Herzlich grüßt
Ihr

Friedhelm Schneider
(EAK-Vertreter beim Europäischen Büro für Kriegsdienstverweigerung, EBCO)

Näheres zu Johannes Odenbach siehe im Anhang  des Newsletters. Hier finden Sie den Artikel von Friedhelm Schneider "An das Gewissen appelliert, Der Nordpfälzer Pfarrer Johannes Odenbach erhebt Einspruch gegen die Verfolgung der Täufer".

 

Inhaltsverzeichnis

  • EAK: Hohe Zahl der minderjährigen Soldatinnen und Soldaten ist erschreckend
  • Ausschreibung Referentin/Referent für die EAK
  • Ein radikaler und konsequenter Aufruf für den Frieden: Das „Magdeburger Friedensmanifest“
  • Brahms: Die Menschen sehen und mit ihnen ins Gespräch kommen
  • Kriegsleid beklagen - Frieden bauen
  • Plädoyer für Vorrang von Zivil vor Militär
  • Dialogbibelarbeit von EKD-Friedensbeauftragtem und Militärbischof
  • Dieter Junker DEKT-Generalsekretärin Dr. Ellen Ueberschär am Stand der evangelischen Friedensarbeit
  • Prominente Gäste bei der Friedensarbeit auf dem Kirchentag
  • Renke Brahms: Die Verantwortung der Religionen für den Frieden in der Welt stärker wahrnehmen
  • Café #Friedenswege wird in Wittenberg eröffnet
  • "... und richte unsere Füße auf den Weg des gerechten Friedens“"
  • Kirchentag 1967 war Auslöser zur Gründung der AGDF
  • „Über Jahrzehnte hinweg die Friedensarbeit maßgeblich geprägt“
  • Nach dem G7-Gipfel: Außenpolitik wird Wahlkampfthema
  • Friedensbildung stärken statt Gewaltdenken fördern!
  • Sonderausstellung „Graben für den Frieden? – Bausoldaten in der DDR“
  • "Gewaltfreie Kommunikation - Lebendiges Lernen in Kirche und Gesellschaft"
  • Was brauchen wir in der politischen Auseinandersetzung? I 4. Forum Kirche und Rechtsextremismus im Norden |
  • Chancen, aber auch die Herausforderungen einer Internationalisierung der Freiwilligendienste erkennen
  • „Demokratieentwicklung durch kirchliche und zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit?“
  • Friedensgutachten 2017

 

Aus der Arbeit der EAK

EAK: Hohe Zahl der minderjährigen Soldatinnen und Soldaten ist erschreckend

Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) hat die hohe Zahl von Minderjährigen in der Bundeswehr scharf kritisiert. „Es ist erschreckend, dass die Zahl minderjähriger Soldaten ihren höchsten Stand seit Aussetzung der Wehrpflicht erreicht hat“, betonte Jasmin Schwarz, die EAK-Referentin für Kriegsdienstverweigerung.
 

Ausschreibung Referentin/Referent für die EAK

Für die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) sucht der Verein für Friedensarbeit im Raum der EKD e.V. (VfF) ab 1. Oktober 2017 oder später eine Referentin/ einen Referenten als Vertretung während eines Sonderurlaubs, längstens bis 23. September 2020.
 

Aus der Arbeit der EKD

Ein radikaler und konsequenter Aufruf für den Frieden: Das „Magdeburger Friedensmanifest“

(30.05.2017) Es ist ein radikaler und konsequenter Aufruf für den Frieden, das „Magdeburger Friedensmanifest“. Es ist eine generelle Absage an Gewalt, ohne Wenn und Aber. Es ist ein Aufruf zur aktiven Gewaltlosigkeit. Und es ist ein Signal auch an die evangelische Kirche, ebenso aber auch an alle Kirchen, Jesus auf seinem Weg des Gewaltverzichts in allen Lebensbereichen nachzufolgen und an einer zukünftigen Friedensordnung mitzuwirken.
 

Brahms: Die Menschen sehen und mit ihnen ins Gespräch kommen

(27.05.2017)

Mehr Miteinander reden statt übereinander, mehr den anderen wahrnehmen, mit ihm ins Gespräch kommen und ihm Beachtung und Anerkennung schenken, dies forderte der EKD-Friedensbeauftragte Renke Brahms bei einer Bibelarbeit auf dem Kirchentag auf dem Weg in Magdeburg. 
 

Kriegsleid beklagen - Frieden bauen

(26.05.2017) "Kriegsleid beklagen - Frieden bauen", so lautete das Motto des Gottesdienstes der evangelischen Friedensarbeit beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin. Und die Besucher erlebten in der St. Thomas-Kirche in Kreuzberg einen Gottesdienst zum Sehen, Hören und Spüren. Mit viel Musik, mit Tanzperformances und mit Beispielen, was Friedensarbeit ausmacht.
 

Plädoyer für Vorrang von Zivil vor Militär

(26.05.2017) Ein spannendes Podium erlebten die Besucher des CityCube auf dem Messegelände in Berlin bei der Podienreihe Frieden auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag. "Mehr Verantwortung für den Frieden" lautete das Thema, mit auf dem Podium saß auch Bundesaußenminister Sigmar Gabriel. Und der EKD-Friedensbeauftragte Renke Brahms warb dabei für einen Vorrang von zivilen Konfliktlösungen vor militärischen Interventionen. Scharfe Kritik äußerte Renke Brahms aber auch an den deutschen Rüstungsexporten und lehnte die angestrebte deutliche Erhöhung des Rüstungsetats ab.
 

Dialogbibelarbeit von EKD-Friedensbeauftragtem und Militärbischof

(26.05.2017) Die biblische Geschichte der verfeindeten Brüder Esau und Jakob war die Grundlage einer Dialogbibelarbeit von EKD-Friedensbeauftragtem Renke Brahms und dem evangelischen Militärbischof Dr. Sigurd Rink beim Deutschen Evangelischen Kirchentag 2017 in der Berliner Gedächtniskirche.
 

Dieter Junker DEKT-Generalsekretärin Dr. Ellen Ueberschär am Stand der evangelischen Friedensarbeit

(25.05.2017) Krieg solle nach Gottes Wort nicht sein. Und doch habe es im vergangenen Jahr 18 große Kriege gegeben, auch in Europa. "Da muss einen doch der Zorn ergreifen", meinte Dr. Magot Käßmann, die Reformationsbotschafterin der EKD, beim Friedensgottesdienst der EAK in der Zionskirche in Berlin. "Friedenswege - Friedensräume", so lautete das Motto des Gottesdienstes. Und viele waren gekommen, die Kirche war überfüllt.
 

Prominente Gäste bei der Friedensarbeit auf dem Kirchentag

(25.05.2017) Gleich im Eingangsbereich der Halle 2.1 im Themenbereich Gewalt überwinden - Frieden schaffen findet sich der Stand der evangelischen Friedensarbeit im Markt der Möglichkeiten beim Kirchentag in Berlin. Und viele nutzen die Gelegenheit zum Gespräch.
 

Renke Brahms: Die Verantwortung der Religionen für den Frieden in der Welt stärker wahrnehmen

(18.05.2017) Die Bedeutung, aber auch die Verantwortung der Religionen für den Frieden in der Welt hat der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), Renke Brahms, betont. Der Leitende Geistliche der Bremischen Evangelischen Kirche begrüßt daher nachdrücklich die Initiative des deutschen Bundesaußenministers Siegmar Gabriel, im Vorfeld des Deutschen Evangelischen Kirchentages zahlreiche Religionsvertreter nach Berlin zu einem Erfahrungsaustausch über die Friedensverantwortung der Religionen einzuladen, an dem er selbst auch teilnehmen wird.  
 

Café #Friedenswege wird in Wittenberg eröffnet

(16.05.2017) Wenn am 20. Mai in der Lutherstadt Wittenberg die Weltausstellung Reformation ihre Pforten öffnet und an 95 Tagen bis zum 10. September unterschiedliche Sichtweisen und Perspektiven auf die Reformation eröffnet werden, dann ist das auch der Start für das „Café #Friedenswege“ am Schwanenteich in den Wallanlagen von Wittenberg. Hier werden während der Weltausstellung Reformation Akteure der evangelischen Friedensarbeit den Besuchern Raum für Diskussion und Austausch zum Thema Frieden anbieten.
 

"... und richte unsere Füße auf den Weg des gerechten Friedens“"

(16.06.2017) Reformation heißt Zukunft gestalten. Sieben Tore der Freiheit und sieben mit ihnen verbundene Themenbereiche an den Wallanlagen von Wittenberg wollen bei der Weltausstellung der Reformation vom 20. Mai bis zum 10. September an insgesamt 95 Tagen den Blick öffnen für die Zukunft. Ein Themenbereich lautet „Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“. Und ein Projekt wird dabei das „Café #Friedenswege“ sein, wo Akteure der evangelischen Friedensarbeit den Besuchern der Weltausstellung zum Thema Frieden einen Raum für Diskussion und Austausch anbieten wollen.

 

Wissenswertes

Kirchentag 1967 war Auslöser zur Gründung der AGDF

"Der Frieden ist unter uns"“, so lautete das Motto des 12. Deutschen Evangelischen Kirchentages 1967 in Hannover. Erstmals stand vor 50 Jahren damit das Thema Frieden im Mittelpunkt eines Kirchentages. Der Vietnamkrieg, der Sechstagekrieg im Nahen Osten, die Studentenproteste in Berlin mit dem Tod von Benno Ohnesorg, das war das Umfeld, in dem rund 15.000 Menschen in Hannover zusammenkamen. 
 

„Über Jahrzehnte hinweg die Friedensarbeit maßgeblich geprägt“

Die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) hat Ulrich Frey als einen Menschen gewürdigt, der sich große Verdienste um die Sache des Friedens in der Kirche und der Gesellschaft erworben hat. „Über viele Jahrzehnte hat Ulrich Frey die christliche Friedensarbeit maßgeblich mitgeprägt und er setzt sich auch heute noch unermüdlich für die Sache des Friedens ein“, unterstrich AGDF-Vorsitzender Horst Scheffler. Der langjährige AGDF-Geschäftsführer feiert am 3. Juni seinen 80. Geburtstag.
 

Nach dem G7-Gipfel: Außenpolitik wird Wahlkampfthema

(30.05.2017) Der Liedermacher Hannes Wader, EKD-Reformationsbotschafterin Margot Käßmann, die Publizistin Ulrike Guérot und rund 30 weitere Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur und Medien sowie zivilgesellschaftlichen Organisationen, Religionsgemeinschaften und Gewerkschaften rufen zur Bundestagswahl gemeinsam zu Abrüstung und mehr Investitionen für Frieden und Gerechtigkeit auf.
 

Friedensbildung stärken statt Gewaltdenken fördern!

Angesichts zunehmender zwischenstaatlicher und innerstaatlicher Konflikte fordert die pax christi-Kommission Friedensbildung gemeinsam mit dem deutschen Zweig des Internationalen Versöhnungsbundes eine deutliche Stärkung der Friedensbildung in Schulen und außerschulischen Einrichtungen sowie der internationalen Zusammenarbeit  - durch Friedensdienste, Projekte für Gewaltprävention und Friedensförderung.
 

Veranstaltungen
 

Sonderausstellung „Graben für den Frieden? – Bausoldaten in der DDR“

Das Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) Torgau zeigt vom 18. Mai bis 16. Juli 2017 die Sonderausstellung „Graben für den Frieden? – Bausoldaten in der DDR“. Die Ausstellung steht im Horizont des Reformationsjubiläums, denn sie erzählt die Geschichte von jungen Männern, die häufig aus religiösen Gründen handelten und zu ihren religiösen Grundüberzeugungen standen. Die Ausstellung ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei.
 

"Gewaltfreie Kommunikation - Lebendiges Lernen in Kirche und Gesellschaft"

(28.-30. Juni 2017)
Wie können wir auch in der modernen konfliktreichen Welt nach den Regeln der Bergpredigt leben? Der amerikanische Psychologe Marshall B. Rosenberg beantwortet diese Fragen mit seinem Modell der „Gewaltfreien Kommunikation“. Er entwickelte es im Kontext der amerikanischen Friedens- und Bürger-rechtsbewegung. Es ist also auch ein Programm mit klarem politischem Selbstbewusstsein. Die spirituellen Wurzeln liegen in der jüdisch-christlichen und in der buddhistischen Tradition.
 

Was brauchen wir in der politischen Auseinandersetzung? I 4. Forum Kirche und Rechtsextremismus im Norden |

Worte können Hass schüren, einschüchtern und ermutigen. Worte markieren Positionen. Mit Worten wollen wir andere von unseren Ansichten überzeugen. Wer den Dialog sucht, bringt unterschiedliche Überzeugungen und Interessen in ein Gespräch. Wie kann Kommunikation auf Augenhöhe, auch über widersprüchliche politische Standpunkte, gelingen, und wie finden und vertreten wir die eigene Positionierung in der aktuellen gesellschaftlichen Situation und in unseren Kirchen?

 

Chancen, aber auch die Herausforderungen einer Internationalisierung der Freiwilligendienste erkennen

(15.05.2017) Das Interesse an der Aufnahme von internationalen Freiwilligen, dem sogenannten Incoming, steigt stetig. Dies bestätigen die Dachverbände für In- und Auslandsfreiwilligendienste. Bei einer zweitägigen Fachtagung beschäftigten sich etwa 100 Vertreterinnen und Vertreter dieser Verbände in Friedrichsdorf bei Frankfurt/Main mit aktuellen gesellschaftspolitischen Fragestellungen in Bezug auf Incoming-Freiwilligendienste, besonders in Deutschland. Ziel war es, Chancen aber auch die Herausforderungen einer Internationalisierung der Freiwilligendienste zu erkennen.
 

„Demokratieentwicklung durch kirchliche und zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit?“

Montag 22. Mai 2017, 18.15 – 19.45 Uhr
mit Prof. Dr. Claudia Warning, Evangelisches Werk Diakonie und Entwicklung / Brot für die Welt, Berlin
 

Publikationen

Friedensgutachten 2017

Das Friedensgutachten ist das Jahrbuch der führenden deutschen Friedensforschungsinstitute, das erstmalig im Jahr 1987 herausgegeben wurde und seitdem jährlich erscheint. In einer einleitenden Stellungnahme der Herausgeberinnen und Herausgeber sowie in rund zwanzig Einzelanalysen werden im Friedensgutachten aktuelle Konflikte analysiert, bilanziert und bewertet. Zudem werden außen- und sicherheitspolitische Fragen betrachtet und konkrete Empfehlungen für die Friedens- und Sicherheitspolitik in Deutschland und Europa formuliert.

 

Impressum 


Herausgeber
Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK)
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