EAK Rundbrief März 2016

Liebe Leserinnen und Leser,

„Was wir jetzt brauchen ist ein klares NEIN. Ein Nein der Kirche. So ein klares Wort erwarte ich jetzt von meinem Bischof, von meiner Kirche. Wer denn sonst soll in dieser Situation seine Stimme erheben als die Kirche?“, so schrieb ein Pfarrer in einer Email Anfang Dezember 2015 an die Landeskirche. Während er diese Email schrieb, war man im Evangelischen Oberkirchenrat bereits damit befasst, eine Stellungnahme zum Militäreinsatz in Syrien zu schreiben. Diese wurde dann am 3. Dezember 2015 veröffentlicht. Auch andere Landeskirchen und kirchliche Vertreter bezogen zum diesem Militäreinsatz eine klare Position. Nach der Veröffentlichung gab es viel positives Feedback von Einzelpersonen und Kirchengemeinden und auch vermehrt Anfragen für Vorträge aus den Kirchengemeinden.

Als ich die ersten Vorträge zu der Stellungnahme hielt, begegnete mir viel Angst und Verunsicherung. Diese äußerten sich in den folgenden Fragen: Was kann man gegen den IS tun? Stößt hier nicht die Friedensethik, die die badische Landeskirche in ihrem Diskussionsbeitrag vertritt an ihre Grenzen? Ist es möglich im Angesicht des Terrors des IS an der Gewaltfreiheit festzuhalten? Was ist mit den Menschen, die im Auftrag des IS getötet werden, wir können sie doch nicht schutzlos alleine lassen? Was können wir tun, wenn der IS auch in Deutschland Terrorangriffe verüben wird? Sollen wir dann auch noch auf Gewalt verzichten? Sind die IS-Kämpfer überhaupt Menschen, mit denen man normal sprechen kann? Wollen die Islamisten uns nicht alle töten und müssen wir sie deshalb nicht mit Waffen bekämpfen?

Bei den Veranstaltungen fühlte ich mich manchmal an die Zeit erinnert, als ich mich auf meinen Prozess zur Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer vorbereitete. Damals ging es in fiktiven Situationen darum, wie verhalte ich mich gegenüber Terroristen oder wenn die Sowjetunion Deutschland überfällt. Und immer war die Frage, braucht es dann nicht Militär oder Waffengewalt, um uns zu sichern. Während damals die Situationen fiktiv und manchmal gänzlich unrealistisch waren, sind diese Situationen durch den Terroranschlag von Paris uns sehr nahe und die Angst ist real geworden.

In den Gesprächen wird klar, es gibt keine einfachen und schon gar nicht Patentlösungen. Gerade in Syrien und dem Irak ist die Situation äußerst komplex. Die Komplexität erfordert es, sich genau zu informieren und dann gemeinsam Ideen zu entwickeln. Es reicht nicht mehr sich grundsätzlich zur Gewaltfreiheit oder zur „ultima ratio“ zu bekennen und dann darüber zu streiten. Die Kriege in Afghanistan, im Irak und in Libyen und auch in Syrien haben gezeigt, dass Militär als „ultima ratio“ nicht (mehr) funktioniert und in diesen Fällen nicht zum Frieden beigetragen hat. Und es reicht auch nicht, sich einfach auf Gewaltfreiheit zu berufen, sondern es ist notwendig zu überlegen, welche gewaltfreie Möglichkeiten tatsächlich im konkreten Fall hilfreich und dem Frieden dienlich sind.

Da es keine schnelle Lösungen gibt, keine schnellen Wege das Leiden zu beenden, sind wir auch in unserer Geduld und Leidensfähigkeit gefordert. Doch gerade die Passionsgeschichte zeigt uns, dass auf diesem Weg die Verheißung Gottes liegt.
 

Stefan Maaß
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Stellvertretender EAK Vorsitzende-

Arbeitsstelle Frieden in der Evangelischen Landeskirche in Baden


Aus der Arbeit der EAK

Pressemitteilung EAK: Auf Rekrutierung Minderjähriger für Bundeswehr verzichten

Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) hat die Bundesregierung aufgefordert, auf die Rekrutierung von Minderjährigen für die Bundeswehr zu verzichten und auch die zunehmende Nachwuchswerbung für den Beruf als Soldat in Jugendeinrichtungen einzustellen. Anlass dafür ist der Internationale Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten („Red Hand Day“), der seit 2002 jährlich am 12. Februar begangen wird, und an dem an das Schicksal von Kindern erinnert werden soll, die zum Einsatz in Kriegen und bewaffneten Konflikten gezwungen werden.

Pressemitteilung EAK: Friedensarbeit ist heute wichtiger denn je

Zweitägige Vorstandsklausur stellt Weichen für die Arbeit des Friedensverbandes in den kommenden Jahren

Bei einer zweitägigen Vorstandsklausur hat der Vorstand der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) in Bonn die Weichen für die Arbeit des evangelischen Friedensverbandes für die nächsten Jahre gestellt. Als Schwerpunktthemen sollen dabei unter anderem die Kriegsdienstverweigerung, der Einsatz für zivile statt militärische Lösungen bei internationalen Konflikten sowie die Gewissens- und Friedensbildung in den Blick genommen werden.

Kriegsdienstverweigerung

Connection e.V.: Ukraine: Ruslan Kotsaba bekräftigt seine Kriegsdienstverweigerung

"Ruslan Kotsaba, der ursprünglich die Proteste am Maidan unterstützt hatte, sprach sich im Januar 2015 gegen die Kriegführung der Ukraine im Osten des Landes aus. In einer Videobotschaft an Präsident Petro Poroschenko erklärte er, er werde sich der Einberufung verweigern und würde eher fünf Jahre Gefängnis auf sich nehmen als auf seine "im Osten lebenden Mitbürger" zu schießen. Er rief seine Landsleute auf, ebenfalls den Kriegsdienst zu verweigern."

Mehr zu dem Thema erfahren sie unter: www.connection-ev.org.

Wissenswertes

Nordkirche: Resolution zum Bundeswehreinsatz in Syrien

Die Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) hat am 27. Februar in Lübeck-Travemünde nach intensiver Diskussion eine Resolution zum Bundeswehreinsatz in Syrien beschlossen.

Die Synodalen aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern fordern die Bundesregierung auf, „diesen Einsatz militärischer Mittel umgehend zu beenden und stattdessen noch einmal genau zu prüfen, welche Instrumente gegen den Terrorismus – auch auf dem Hintergrund bislang gemachter Erfahrungen –  tatsächlich helfen.“ Nur auf dem Wege einer Verhandlungslösung könne für das vom Bürgerkrieg zerrissene und vom Terrorismus heimgesuchte Syrien eine Friedensperspektive erreicht werden, heißt es in der Resolution. Zugleich will sich die Landessynode in ihrer Septembersynode intensiv mit friedensethischen Fragen auseinandersetzen.

Mehr Informationen dazu unter: www.nordkirche.de

Pressemitteilung AGDF: Flucht und Frieden wieder gemeinsam denken

Die aktuelle Flüchtlingssituation stand im Mittelpunkt einer zweitägigen Klausursitzung des Vorstandes der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) in Kassel. Dabei kritisierte die AGDF, dass in der derzeitigen zugespitzten Stimmung in Deutschland die Themen Frieden und Flucht nur noch selten zusammen gedacht werden. „Die aktuelle Diskussion in unserem Land fokussiert sich nur noch auf die Frage, wie Fluchtrouten verstopft und Grenzen geschlossen werden können“, bedauerte AGDF-Geschäftsführer Jan Gildemeister. Doch die Ursachen für die Flucht würden in der Debatte keine Rolle mehr spielen, kritisiert er. „Dabei kann dies nicht getrennt voneinander gesehen werden. Denn die Flüchtlinge sind die Folge von Konflikten, für die auch wir verantwortlich sind“, machte der AGDF-Geschäftsführer deutlich.

APD: UN-Symposium zu religiös motivierter Gewalt

Das „Symposium zur Rolle der Religionen und religiöser Organisationen in internationalen Angelegenheiten“ beschäftigte sich speziell mit der Frage von Gewalt oder Extremismus aus religiöser Motivation. Wie Adventist News Network (ANN) am 16. Februar berichtete, fand das UN-Symposium am 1. Februar im UN-Sekretariat in New York/USA statt. Das Einleitungsreferat hielt Dr. Ganoune Diop, Direktor der Abteilung für Außenbeziehungen und Religionsfreiheit (PARL) der Weltkirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten.

„Es ist nicht die Religion selbst, sondern ein verzerrtes Verständnis von Religion, welches gewalttätigen Extremismus hervorruft“, sagte Dr. Ganoune Diop im Einleitungsreferat zum Symposium. Es handle sich um eine „vereinfachende Generalisierung“, so Diop, wonach Religion und der religiöse Glaube schuld daran seien, dass sich extremistische Gewalt ausbreite. Es nahmen laut ANN rund 130 Vertreter von UN-Organisationen, religiösen Organisationen und Nicht-Regierungsorganisationen (NGO) teil.

Mehr Informationen erhalten sie unter: www.apd.info

Internationaler Versöhnungsbund: Offener Brief katholischer und evangelischer ChristInnen an muslimische Gläubige und Religionsgelehrte

Eine Gruppe von evangelischen und katholischen ChristInnen hat auf Intitiative des Arbeitskreis „Friedensauftrag und Militär" des Internationalen Versöhnungsbundes einen offenen Brief an muslimische Gläubige und Religionsgelehrte gerichtet, in dem sie ihre Scham bekennen, dass von Christinnen und Christen immer wieder Gewalt auch gegen Musliminnen und Muslime ausgegangen ist.

Sie formulieren darin ihre Überzeugung: "Die Konflikte zwischen der christlichen und dermuslimischen Welt kann man nur im Gespräch lösen; im Zuhören und Erzählen; inder Einsicht und in der Umkehr."

Anlass für die Gruppe, über ihre Rolle in dem christlich-muslimischen Konflikt nachzudenken, war der Brief der 120 muslimischen Religionsgelehrten vom 27. September 2014, in dem diese sich von den Gewalttaten bestimmter muslimischer Gruppen distanzieren.

Mehr erfahren sie unter: www.versoehnungsbund.de

Ein-Tages-Ausstellung "Sieben Goldene Nasen des Rüstungsexports"

Am 26.Februar 2016 fand eine Ein-Tages-Ausstellung mit dem Titel „Die sieben Goldenen Nasen des deutschen Rüstungsexports!“ vor dem Deutschen Bundestag statt, veranstaltet von der Kampagne „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!“

Mehr Informationen erhalten sie unter: www.paxchristi.de.

Publikationen

Konsortium ZFD: Auf Weltreise mit dem neuen Lesebuch des ZFD

Was wird im Zivilen Friedensdienst tagtäglich geleistet? Wie sieht die Arbeit der Fachkräfte und Partnerorganisationen in verschiedenen Konfliktregionen der Welt konkret aus? Diesen Fragen geht das neue Lesebuch des Zivilen Friedensdienstes nach. Es nimmt seine Leserinnen und Leser mit auf eine Lese-Expedition rund um die Welt der Zivilen Konfliktbearbeitung. In 14 Berichten aus 13 Ländern erhalten Interessierte tiefe Einblicke in die alltägliche Friedensarbeit der Fachkräfte und Partnerorganisationen im Zivilen Friedensdienst.

Mehr Informationen erhalten sie unter: www.ziviler-friedensdienst.org.

Veröffentlichung des Conflict Barometer 2015

Das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung (HIIK) veröffentlichte am 26. Februar 2016 seine Forschungsergebnisse zum globalen Konfliktgeschehen im neuen Conflict Barometer 2015. Informationen zur Konfliktentwicklung in innerstaatlichen als auch zwischenstaatlichen sowie gewaltsamen und gewaltlosen Konflikten sind Bestandteil der jährlichen Publikation.
Mehr Informationen dazu unter:
 www.hiik.de

Veranstaltungen

SAVE THE DATE 

60 Jahre Beratung von Kriegsdienstverweigerern - 60 Jahre EAK

Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) blickt in diesem Jahr auf ihr 60-jähriges Bestehen und damit auf ihren langjährigen Einsatz für das Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung und vor allem die Beratung von Kriegsdienstverweigern und -verweigerinnen zurück.

Dies feiert die EAK in diesem Sommer, am 09. und 10.Juni 2016 mit einem Festakt und buntem Rahmenprogramm in Bonn und erinnert an die Herausforderungen von Kriegsdienstverweigerung, damals wie heute.

Das genaue Programm wird in Kürze folgen.

Bunt ist cool - Fußballfest gegen Rassismus

Um in Frieden leben zu können, braucht es nicht große Worte, sondern viele kleine Schritte.“

Ein Schritt ist der FriedensCup im Rahmen des Fußballfestes „Bunt ist cool" der Evangelischen Jugend in Bayern am 02. Juli 2016 auf dem Gelände des 1. FC Nürnberg.
Fußballbegeisterte aus allen Gliedkirchen der EKD sind herzlich eingeladen!
„Bunt ist cool“ fand in den vergangenen Jahren mit mehr als 1200 Sportlerinnen und Sportlern mit 80 Mannschaften in 6 verschiedenen Kleinfeldturnieren für Schüler, Jugendliche, Mädchen und Herren sowie für Menschen mit Behinderungen statt.

Weitere Informationen finden sie unter: www.arbeitsstelle-kokon.de und www.ejb.de

Weitere Veranstaltungen

Die Projektgruppe Zivile Konfliktbearbeitung Rhein-Main lädt am 04. März 2016 zu einer Veranstaltung mit dem Titel „Kriegsdienstverweigerung transnational – ein Mittel gegen Krieg?“ nach Mainz ein.
Mehr Informationen erhalten sie unter: www.gewalt-loest-keine-konflikte.de

Der BSV veranstaltet vom 11. bis 13.März 2016 eine Tagung mit dem Titel „Bevor Angst die Seele auf isst - Über Bedrohungen und friedenspolitische Alternativen in unserer krisenhaften Zeit" in Magdeburg.
Mehr dazu unter: www.soziale-verteidigung.de

Am 19.März 2016 findet ein Workshop mit dem Titel „Stopp von Waffenhandel und Perspektiven der Rüstungskonversion“ in Bochum statt.
Mehr Informationen unter: www.initiative-frieden-solidaritaet.de

Eine Überblick über die diesjährigen Ostermärsche erhalten sie unter: www.friedenskooperative.de

Am 04./05.April 2016 findet der Frühjahreskonvent 2016 der Beauftragten für Friedensarbeit in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg in Herrenberg statt. Thema wird sein: „Friedensbildung“.
Weitere Informationen dazu unter: www.friedenspfarramt.elk-wue.de

Das Institut für Friedensarbeit und Gewaltfreie Konfliktaustragung (IFGK) veranstaltet am 09.April 2016 einen Studientag zum Thema „Konzepte für Friedensarbeit heute. Von Erfahrungen der DDR-Zeit und danach lernen" in Halle/Saale.
Mehr unter: www.ifgk.de

Plattform Zivile Konfliktbearbeitung veranstaltet vom 15.bis 17.April 2016 eine Fachtagungen mit dem Titel „Im staatlichen Auftrag oder in politischer Selbstständigkeit? Zivilgesellschaftliche Akteure der Konfliktbearbeitung im In- und Ausland" in Loccum.
Mehr dazu unter: www.konfliktbearbeitung.net

Vom 05.bis 08.Mai 2016 veranstaltet der Internationale Versöhnungsbund eine Jahrestagung zum Thema „Sprachen der Gewaltfreiheit" in Duderstadt statt.
Mehr Informationen unter: www.versoehnungsbund.de

Vom 09. bis 10.Juni 2016 lädt die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) nach Bonn ein, um gemeinsam das 60 jährige Jubiläum der Beratung von Kriegsdienstverweigerern sowie 60 jährige Bestehen der EAK zu feiern.
Mehr Informationen unter: eak-online.de

Am 02.Juli 2016 findet in Nürnberg das Fußballfestes „Bunt ist cool" statt.
Weitere Informationen unter: www.arbeitsstelle-kokon.de

Vom 28. September bis 01.Oktober 2016 findet in Berlin eine Tagung zum Thema „Lebensräume des Friedens – Gesellschaftliche Transformationen und die Erneuerung der Kirche aus dem Geist des Gerechten Friedens“ statt.
Mehr unter: www.evangelische-friedensarbeit.de

Impressum


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Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK)
im Verein für Friedensarbeit im Raum der EKD e.V. (VfF) 
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