EAK Rundbrief November 2016

Liebe Leserinnen und Leser,

wir wissen es: unsere Wahrnehmung ist allzu leicht zu manipulieren.
Nur ein Beispiel: wer beabsichtigt ein bestimmtes Auto in einer bestimmten Farbe zu erwerben, sieht ab da ständig dieses Fahrzeug im Straßenverkehr und wundert sich, wo die auf einmal alle herkommen bzw. wieso die bisher nicht unterwegs waren.

Lesern dieses Newsletters fallen Meldungen zu Aspekten von Krieg und Frieden auch sehr unmittelbar auf. Und davon gab es in letzter Zeit jede Menge und in vielerlei Hinsicht

  • die Rüstungsausgaben dürfen kräftig steigen,
  • der Rüstungsexport boomt,
  • selbstbewusst wie nie fordern Lobbyisten neue Beschaffungsprogramme für die Bundeswehr,
  • immer mehr Minderjährige werden für den Militärdienst angeworben,
  • eine Vielzahl von Mandaten für Auslandseinsätzen der Bundewehr wird verlängert oder neu gefordert,
  • Truppen werden strategisch in bestimmte Länder verlegt,
  • militärische Manöver werden als Botschaft für die andere Seite inszeniert,
  • militärische Optionen, bis hin zum Atomschlag, werden ausführlich diskutiert usw.,
  • usw.

So wie zweifelhafte Werbesprüche der Bundeswehr das Stadtbild und das Internet überziehen, so wird die Nachrichten- (und damit Meinungs-) Landschaft vom Einsatz des Militärs als ganz selbstverständliche Handlungsoption zur Durchsetzung eigener Interessen überflutet.

Nur ist diese gesteigerte Wahrnehmbarkeit keine „Deformation Professionell“, es ist eine neue Realität. Eine Realität, in der „nationale Verantwortung“ fast synonym mit bewaffneten Mitteln in Verbindung gebracht wird. Und niemand protestiert, vermutlich nehmen viele diese Ausweitung gar nicht so wahr, Krieg ist wieder als Mittel Politik selbstverständlich!

Auch im kirchlichen Milieu rücken Militär und Kirche immer häufiger in Wort und Bild zusammen.
Wie selbstverständlich ist es geworden sich von der klaren Friedensbotschaft zu distanzieren. „Ich bin doch kein Pazifist“, „manchmal muss man (leider ?) doch mit Gewalt reagieren“, „wir müssen unseren Soldaten dankbar sein für ihren schweren Einsatz usw. usw.
All solche Aussagen werden immer gebräuchlicher. Aber sind sie deshalb auch richtig?
Ist der gewaltförmige Weg überhaupt erfolgreich?
Ist er mit unserem christlichen Zeugnis vereinbar?
Wäre es nicht der Auftrag der Kirchen - und von uns Christen - eine andere Perspektive einzunehmen?
Ist es nicht Zeit andere Ziele mit friedlichen Mitteln zu verfolgen?

Ich halte es lieber mit folgender Bibelstelle: "Rede und Antwort stehen über die Hoffnung, die in uns lebt" (nach 1. Petrus 3,15).

Mit diesem Gedanken wünsche ich Ihnen Allen eine schöne und gesegnete Zeit.
Wolfgang Buff

- EAK Mitglied -
Evangelische Kirchen Hessen und Nassau, Kurhessen-Waldeck

 

Inhaltsverzeichnis

  • Praktikum im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Projektarbeit (Bonn)
  • Gemeinsames Engagement für Demokratie und Menschenrechte
  • Appell zu einer Neuorientierung der kirchlichen Friedensethik
  • EKD-Friedensbeauftragter: Das Schweigen durchbrechen auf dem Weg zum Frieden
  • Reformation heute – Gewalt absagen und Frieden wagen
  • EKD-Friedensbeauftragter: Deutschland soll sich für ein weltweites Atomwaffen-Verbot einsetzen
  • Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung auch für US-Soldaten bestätigen
  • Rechtsgutachten zur Vereinbarkeit einer Bundeswehr-Kooperation mit der Zivilklausel der Hochschulen des Landes Bremen und der HSB
  • EAK: Buch „Friede sei...“ als Impuls für die Friedensarbeit vor Ort
  • Ausstellung "1000 Friedensfrauen"
  • Streitkultur in Zeiten der Radikalisierung
     

Aus der Arbeit der EAK und der Evangelischen Friedensarbeit

 

Praktikum im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Projektarbeit (Bonn)

Die gemeinsame Geschäftsstelle der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) und der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) in Bonn sucht ab Februar 2017, für mindestens drei Monate, eine/n Praktikanten/in für den Bereich der Öffentlichkeits- und Projektarbeit.

Gemeinsames Engagement für Demokratie und Menschenrechte

(9. November 2016) Die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat sich bestürzt über das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen in den USA geäußert. „Der designierte Präsident Donald J. Trump hat nicht nur mit Parolen der Angst, des Hasses und der Ausgrenzung ganzer Menschengruppen geworben, sondern auch die Demokratie und ihre Regeln verhöhnt“, heißt es in einer mit großer Mehrheit verabschiedeten Stellungnahme.“

Appell zu einer Neuorientierung der kirchlichen Friedensethik

(07.11.2016) Es ist ein Appell für eine Neuorientierung der kirchlichen friedensethischen Position mit einer klaren Absage an die Bereithaltung, Androhung und Anwendung militärischer Gewalt und einem deutlichen Bekenntnis zur zivilen Konfliktbearbeitung. Mehr als 3100 Menschen, darunter allein 1850 aus der badischen Landeskirche, haben den „Karlsruher Aufruf an die EKD“ seit 2015 unterschrieben, bei der EKD-Synode in Magdeburg wurde er von Stefan Maaß, dem Friedensbeauftragten der Evangelischen Landeskirche in Baden, an den Rat der EKD übergeben.

EKD-Friedensbeauftragter: Das Schweigen durchbrechen auf dem Weg zum Frieden

(31.10.2016) Der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Renke Brahms, sieht im Gebet eine gute Chance, das Schweigen über die Spuren des Krieges zu durchbrechen. „Schweigen ist wahrscheinlich die tiefste Spur, die Kriege in uns und unseren Gesellschaften hinterlassen“, betont Brahms, der auch der Leitende Geistliche der Bremischen Evangelischen Kirche ist. Dabei sei dieser Moment wichtig, in dem Worte das Schweigen durchbrechen und das Erzählen den langen Weg aus dem Trauma eröffnet, ist Renke Brahms überzeugt.

Reformation heute – Gewalt absagen und Frieden wagen

(27.10.2016)  Das Reformationsjahr 2017 wird von der evangelischen Kirche in Deutschland groß gefeiert. Die evangelische „Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden“ (AGDF) möchte zu diesem Jubiläum einen Beitrag leisten und sich dabei kritisch mit der reformatorischen Geschichte auseinandersetzen, wobei der Fokus auf Gewalt und Gewaltfreiheit liegen soll. „Wir wollen der Frage nachgehen, wie wir es schaffen können, im Blick auf das Reformationsgedenken eine Kirche des gerechten Friedens zu werden und die Gewaltfreiheit zu stärken“, so Horst Scheffler, der AGDF-Vorsitzende.

EKD-Friedensbeauftragter: Deutschland soll sich für ein weltweites Atomwaffen-Verbot einsetzen

(26.10.2016) Der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Renke Brahms (Bremen), hat die Bundesregierung aufgefordert, bei der für den Herbst in der UN-Generalversammlung vorgesehenen Abstimmung über die Einberufung einer „Konferenz zur Aushandlung eines rechtsverbindlichen Instruments zum Verbot von Atomwaffen“ zuzustimmen und so ein deutliches Signal für eine atomare Abrüstung zu geben.

Kriegsdienstverweigerung

 

Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung auch für US-Soldaten bestätigen

(13.11.2016) Die Verhandlung über den Asylantrag des US-Soldaten André Shepherd vor dem Verwaltungsgericht in München bietet nach Ansicht der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden die Chance, das Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung auch für US-Soldaten in Deutschland zu bestätigen.

Rechtsgutachten zur Vereinbarkeit einer Bundeswehr-Kooperation mit der Zivilklausel der Hochschulen des Landes Bremen und der HSB

Die NaturwissenschaftlerInnen-Initiative Verantwortung für Frieden und Zukunftsfähigkeit (NatWiss) gab ein Rechtsgutachten bei Dr. Hoppe in Auftrag zur Frage, ob die beabsichtigte Kooperation zwischen der Hochschule Bremen und dem Bundesamt für das Personalwesen der Bundeswehr gegen die Zivilklauseln des Bremischen Hochschulgesetzes und der Hochschule Bremen verstößt.

Das Gutachten wurde am Montag, den 7.11.2016 in Bremen vorgestellt.

 

Publikation

 

EAK: Buch „Friede sei...“ als Impuls für die Friedensarbeit vor Ort

(04.11.2016) Rechtzeitig zum Beginn der ökumenischen Friedensdekade hat die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) das Buch „Friede sei!“ veröffentlicht mit Fotos und Texten von Friedhelm Schneider, als Impulse aus der internationalen Friedensarbeit und als interessante Anregung für die Friedensarbeit vor Ort.

 

Veranstaltungen

 

Ausstellung "1000 Friedensfrauen"

An diesem Abend wird die Ausstellung „1000 Friedensfrauen“ eröffnet. Zu sehen sind Porträtfotos der 2005 von der Initiative „1000 Frauen für den Friedensnobelpreis“ nominierten Frauen, die sich mit ihrem Wirken für den Frieden verdient gemacht haben.
Die Ausstellung ist vom 11. bis 25. November 2016, Mo-Fr 11-18 Uhr, Sa 13-18 Uhr.
In Kooperation mit den Frauenwerken der Kirchenkreise Flensburg und Hamburg West/Südholstein, AMICA e.V., Frauen in Schwarz und dem Frauenwerk der Nordkirche.

Streitkultur in Zeiten der Radikalisierung

Streitkultur in Zeiten von Pegida, Flüchtlingsdebatten und Terrorangst
23. - 25. Februar 2017

 

 

Impressum 


Herausgeber
Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK)
im Verein für Friedensarbeit im Raum der EKD e.V. (VfF) 
Endenicher Str. 41
53115 Bonn
Tel.: +49 (0) 228 - 24999- 0
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