12. Februar ist Red Hand Day

Auch in Deutschland werden Minderjährige für die Bundeswehr rekrutiert

Am Mittwoch (12.02.2020) ist "Red Hand Day", der internationale Aktionstag gegen Kindersoldaten. Minderjährige in der Armee gibt es nicht nur in Ägypten oder Nordkorea, sondern auch in Deutschland.

Dagegen engagiert sich "Unter 18 nie", eine von mehreren Organisationen, u.a. der EAK, getragene Kampagne. Wir sprachen mit Michael Schulze von Glaßer.

WDR: Warum ist der Dienst in der Bundeswehr für 17-Jährige problematisch?

Michael Schulze von Glaßer: Weil die Arbeit bei der Bundeswehr anspruchsvoll und gefährlich ist. Sie ist psychisch und körperlich sehr belastend. Kinder und Jugendliche sind in Deutschland aus gutem Grund besonders geschützt.

WDR: Müssen Minderjährige das volle Programm mitmachen?

Schulze von Glaßer: Auslandseinsätze sind für sie tabu, aber ansonsten werden sie normal an der Waffe ausgebildet. Menschen unter 18 Jahren dürfen nicht bei der Bundestagswahl wählen, nicht alle Kinofilme sehen oder Ballerspiele machen – aber sie werden von der staatlichen Armee ausgebildet, auf Menschen zu schießen. Das ist schon absurd.

WDR: Gibt es Beschwerden an den Wehrbeauftragten der Bundesregierung?

Schulze von Glaßer: Es gab vor einigen Jahren einen Fall in Baden-Württemberg. Da wurden Rekrutinnen und Rekruten zum Striptease und Stangentanz genötigt. Die Mutter eines minderjährigen Soldaten, der selber nicht mitmachen musste, hatte dies dem Wehrbeauftragten gemeldet. Im aktuellen Wehrbericht ist die Rede von einem Vorgesetzten, der gewalttägig und sexuell übergriffig geworden sein und mit einem minderjährigen Rekruten in ein Bordell gegangen sein soll.

WDR: Ist die Werbung der Bundeswehr an Schulen, auf der Gamescom, auf Youtube das legitime Anliegen einer Berufsarmee, die Nachwuchs sucht?

Schulze von Glaßer: Die Bundeswehr sollte als staatliche Organisation fair mit jüngeren Menschen umgehen, statt mit hippen Sprüchen zu werben. Die sind zwar kreativ, aber sehr oberflächlich.

Die politische Dimension des Soldatenberufs wird dabei vollkommen ausgeklammert. Man kann verstehen, dass die Bundeswehr nicht mit der Gefahr der Auslandseinsätze wirbt oder damit, dass die Zahl der traumatisierten Soldaten immer mehr steigt.

WDR: Wie glaubwürdig ist Deutschland im Kampf gegen Kindersoldaten?

Schulze von Glaßer: Unsere Kampagne wird auch von Kinderrechtsorganisationen getragen. In Myanmar wurden sie von Generälen gefragt: "Wie alt sind die Soldaten bei euch? Also wo ist das Problem?“ Deutschland hat eine Vorbildrolle bei internationalen Kinderrechten.