AGDF: Kirche muss Gewaltfreiheit in einer Welt voller Gewalt nachdrücklich betonen

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(02.01.2020) Angesichts der Herausforderungen für den Frieden in der Welt muss es nach Ansicht der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) die Aufgabe der Kirchen sein, das Prinzip der Gewaltfreiheit in einer Welt voller Gewalt nachdrücklich zu betonen. „Christinnen und Christen stehen in der Nachfolge des Friedensfürsten Jesus Christus, der die Botschaft der Gewaltfreiheit verkündet und gelebt hat. Und sie vertrauen darauf, dass Menschen, aber auch Staaten in der Lage sind, Konflikte konstruktiv und gewaltfrei zu lösen“, so Christine Busch, die AGDF-Vorsitzende. Dafür gebe es zahlreiche Beispiele. „In Kolumbien war die katholische Kirche wichtiger Impulsgeber für den Friedensprozess, in Mosambik vermittelte die katholische Gemeinschaft Sant´Egidio einen Friedensvertrag und in der ehemaligen DDR waren es Kerzen und Friedensgebete, mit denen die Mauer überwunden wurde“, betont die AGDF-Vorsitzende.

Christine Busch verweist auf die im November beschlossene Kundgebung der Dresdner EKD-Synode „Kirche auf dem Weg der Gerechtigkeit und des Friedens“, die Gottes Ruf in die Gewaltfreiheit als Einladung versteht, für einen gerechten Frieden einzustehen. „Diese Kundgebung ist eine wichtige Grundlage und auch Richtschnur für die friedensethische Arbeit der evangelischen Kirche und der Gemeinden“, ist die AGDF-Vorsitzende überzeugt. 

„Wir stehen vor großen Herausforderungen. Der Klimawandel bedroht den Frieden und führt zunehmend zu gewaltsamen Konflikten und Migrationsbewegungen. Die Ausgaben für Rüstung und Militär steigen, hybride Kriege und teilautonome Waffensysteme werfen schwierige ethische Fragen auf, es droht eine neue nukleare Rüstungsspirale“, macht Christine Busch deutlich. Hier biete die Kundgebung der EKD-Synode mit dem klaren Primat der Gewaltfreiheit einen wichtigen Orientierungsrahmen für politisches Handeln, ist die AGDF-Vorsitzende überzeugt.

„Der aktive Verzicht auf Gewalt erfordert aber professionelle Anstrengungen, große Wachsamkeit und auch eine entschiedene Prävention, um die Eskalation von Konflikten zu verhindern und um nicht in eine Ausweglosigkeit zu geraten, die dann nur noch die ultima ratio der Gewalt kennt“, unterstreicht Christine Busch. Darum sei eine Stärkung der Ausbildung wie auch der Einsatz von Friedensfachkräften wichtig, für den sich auch die EKD-Kundgebung einsetze, wie auch der Ausbau der Friedens- und Demokratiebildung in Schulen und Bildungseinrichtungen dazu. „Es geht um Kompetenzen, die man lernen kann“, so die AGDF-Vorsitzende. Hier sei auch die Politik gefordert, mehr finanzielle Mittel in die zivile Friedensarbeit zu investieren.

Sie sei dankbar, dass die Kundgebung der EKD-Synode die großen Bedrohungen durch den Klimawandel klar benenne und Klimagerechtigkeit einfordere. Die Stimme der Kirche müsse deutlich sein, auch gegenüber der Politik. Denn nichts habe die Welt so sehr verstört wie die Ausbeutung ihrer Ressourcen gegen jede Vernunft, und nichts stelle sie so sehr auf den Prüfstand wie die Produktion und der Besitz von Massenvernichtungswaffen sowie die Drohung mit ihnen, macht Christine Busch deutlich. „Die Kündigung des INF-Vertrages und die neue nukleare Aufrüstung gefährden den Frieden in der Welt“, betont die AGDF-Vorsitzende.

Es wäre ein wichtiges Zeichen gewesen, wenn die EKD die Bundesregierung ausdrücklich aufgefordert hätte, den UN-Atomwaffenverbotsvertrag umgehend zu unterzeichnen, so Christine Busch. „Eine völkerrechtliche Ächtung der Atomwaffen und der Abbau aller nuklearen Arsenale ist überfällig. Hier hat die EKD-Synode leider eine Chance vertan. Die AGDF hätte sich hier eine deutlichere Sprache und klarere Aussagen gewünscht“, meint die Vorsitzende des Friedensverbandes. Sie verweist auf Beschlüsse einiger evangelischer Landeskirchen wie auch auf entsprechende Stimmen aus der weltweiten Ökumene. „Papst Franziskus hat kürzlich betont, dass der Einsatz, ja sogar schon der Besitz von Atomwaffen unmoralisch ist. Der Ökumenische Rat der Kirchen hat in Busan eine atomfreie Welt postuliert“, mahnt die AGDF-Vorsitzende. 
(Dieter Junker)