AGDF und EAK kritisieren Selbstdarstellung der Bundeswehr

Die evangelische Friedensarbeit hat die Selbstdarstellung der Bundeswehr beim „Tag der Bundeswehr“ am kommenden Wochenende in Deutschland und in den vergangenen Tagen bei Landesfesten scharf kritisiert und der Bundeswehr dabei „eine Verharmlosung des Militärs und des militärischen Auftrags“ vorgeworfen. 

„Auf diesen Festen oder am kommenden Wochenende präsentiert sich die Bundeswehr als Umweltschützer, als Feuerwehr, als wichtiger Ausbilder von Jugendlichen oder als Entwicklungshelfer. Damit werden aber der eigentliche Auftrag der Bundeswehr und auch die Gefahren, die damit verbunden sind, verschwiegen oder verharmlost“, kritisiert Wolfgang Burggraf, der Geschäftsführer der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK). 

„Die Bundeswehr versteht sich als Armee im Einsatz. Dazu gehören gefährliche Kriegseinsätze und dafür trainieren Soldatinnen und Soldaten auch das Töten von Menschen. Dies kommt aber in solchen Selbstdarstellungen wie jetzt beim Tag der Bundeswehr oder erst kürzlich beim Hessentag in Korbach nicht vor“, mahnt auch Jan Gildemeister, der Geschäftsführer der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF). Ziel sei es bei solchen Veranstaltungen wohl eher, die Bundeswehr in einem guten Licht dastehen zu lassen und so Jugendliche, auch Minderjährige, für die Armee zu werben, so der AGDF-Geschäftsführer. 

Die beiden Friedensverbände verweisen auf ähnliche kritische Äußerungen aus der Friedensbewegung, aber auch von Gewerkschaften wie der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), die im Vorfeld des Hessentages Schulleiterinnen und Schulleiter aufgefordert hatte, von Besuchen der Bundeswehr durch Schülergruppen auf dem Landesfest in Korbach abzusehen. „Die Bundeswehr ist kein gewöhnlicher Arbeitgeber, und das muss auf solchen Veranstaltungen deutlich werden“, betont Wolfgang Burggraf.

Beide Friedensverbände bedauern dabei die Äußerungen des evangelischen Militärbischofs Dr. Sigurd Rink, der kürzlich den Auslandseinsatz der Bundeswehr in Afghanistan nach einem Truppenbesuch als einen „Beitrag zur Entwicklungshilfe“ bezeichnet hatte. „Die Bundeswehr ist in Afghanistan im Militäreinsatz und nicht in der Entwicklungshilfe tätig“, kritisiert Jan Gildemeister. Wichtiger sei es, darauf hinzuweisen, dass es zivile Alternativen zu Militäreinsätzen und militärischen Interventionen gebe. Sie seien nachgewiesen auch dann erfolgreich, wenn sie nicht unter „militärischen Schutz“ stünden, betont der AGDF-Geschäftsführer. „Diese zivilen Einsätze gehören besser ausgestattet, finanziell wie personell, und sind von den politisch Verantwortlichen deutlich mehr zu unterstützen und zu fördern. Es hätte dem Militärbischof gut angestanden, darauf hinzuweisen und nicht die Bundeswehr als etwas zu bezeichnen, was sie nicht kann und nicht ist“, fügt Wolfgang Burggraf hinzu. 
(Dieter Junker)

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