Das Recht, nach der Wahrheit zu suchen

AGDF

(24.10.2017) Der Dialog der Religionen, die ökumenische Zusammenarbeit der Kirchen und Konfessionen und das Gespräch mit Vertreterinnen und Vertretern über den gemeinsamen Weg für Frieden und Gerechtigkeit ist nach Ansicht der AGDF-Vorsitzenden Christine Busch eine wichtige Voraussetzung für den Frieden. Dies betont sie in einem Impuls der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) zum Reformationsjubiläum.

„Die eigene Position kennen, offen sein für die Positionen anderer, das Gespräch suchen, Grenzen erkennen, Intoleranz abwehren“, wirbt die AGDF-Vorsitzende für einen toleranten Umgang der Religionen und Konfessionen miteinander. „Wir wissen: Welchen Platz die anderen Religionen in Gottes Plan mit der Welt haben, entscheiden nicht wir.“ Jede und jeder habe das Recht, nach der Wahrheit zu suchen. „Sich darin einig zu sein, ist eine Voraussetzung für den Frieden“, betont Christine Busch.

Die evangelische Theologin verweist dabei auf die Bauernkriege und die unterschiedlichen Positionen von Martin Luther und Thomas Müntzer. Die Erkenntnis der Freiheit des Glaubens, die Luther verkündet habe, hätte in den Bauern den Wunsch nach Gerechtigkeit und persönlicher Freiheit geweckt. Der Reformator habe sich zunächst auch offen für diese Forderungen der Bauern gezeigt und in seiner Ermahnung zum Frieden den Hochmut der Herrschenden angemahnt. „Er dachte nicht im heutigen Verständnis pazifistisch, sondern wollte vermeiden, dass seine Lehre zum Vehikel würde für einen gewaltsamen Umsturz“, so Christine Busch. Bei Luther sollte die evangelische Erneuerung durch Unterricht und Verkündigung erfolgen, nicht durch Gewalt und Zwang.

Doch nachdem die Lage eskalierte und Klöster und Kirchen geplündert wurden, habe Martin Luther hierin eine „teuflische Herausforderung der göttlichen Ordnung“ gesehen und die Landesherren aufgefordert, gegen das Chaos zu kämpfen. „Hier ergriff er in drastischer Weise Partei für die Obrigkeit und für die Anwendung von Gewalt“, kritisiert die AGDF-Vorsitzende. Anders Thomas Müntzer, der das tausendjährige Gottesreich der Offenbarung auf Erden mit Gewalt umsetzen wollte. Für Müntzer war Luther „das sanftlebende Fleisch zu Wittenberg“, und für Luther erschien Müntzer wie der leibhaftige Teufel „in seinem höchsten Grimm“.

„Beide, Luther wie Müntzer, verstanden sich als Besitzer der göttlichen Wahrheit. Sie waren nicht mehr imstande zum sachlichen Disput, sondern definierten Gut und Böse in der je eigenen Perspektive und nach dem jeweiligen Verständnis der Schrift“, meint Christine Busch in ihrem Impuls. Es sei ihnen nicht möglich gewesen, zu akzeptieren, dass unterschiedliche Glaubensvorstellungen nebeneinander existieren könnten. „Der Kampf um die Wahrheit war erbarmungslos“, stellt die AGDF-Vorsitzende fest. So habe auch der Augsburger Religionsfriede nicht die historischen Friedenskirchen oder das Judentum betroffen, und noch bis ins 20. Jahrhundert hätten Mennoniten, Baptisten oder Methodisten als Sondergemeinschaften gegolten, kritisiert sie. Genau darum sei das offene, tolerante Gespräch zwischen Religionen und Konfessionen wichtig auf dem Weg zum Frieden. Christine Busch: „Heute gestalten wir Ökumene und üben den Dialog.“

Der Impuls „Das Recht, nach der Wahrheit zu suchen“ ist der 13. Beitrag eines von der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) am Reformationstag 2016 gestarteten Projekts „Reformation heute – Gewalt absagen und Frieden wagen“, mit dem die AGDF einen Beitrag zum Reformationsjubiläum leisten, sich kritisch mit der reformatorischen Geschichte auseinandersetzen und dabei einen Fokus auf Gewalt und Gewaltfreiheit legen will. Die Impulse, die dazu veröffentlicht werden, sollen Denkanstöße für eine weitere Diskussion sein.

Der Beitrag „Das Recht, nach der Wahrheit zu suchen“ der AGDF-Vorsitzenden Christine Busch findet sich auf der Homepage der AGDF (www.friedensdienst.de). Dort stehen auch die weiteren erschienenen Beiträge dieses Reformationsprojektes der AGDF.
(Dieter Junker)

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