Die letzten Tage der Bausoldaten und die Friedliche Revolution. Gewaltfreiheit und Friedensdienst als Herausforderungen für heute.

Evangelischen Akademien Wittenberg und Thüringen

Ort: 

  • Wittenberg
  • Evangelische Akademie

Datum: 

04.10.2019

4. bis 6. Oktober 2019 | Fr.–So.
Am 7. September 1964, vor 55 Jahren, wurde die Anordnung des Nationalen Verteidigungsrates der Deutschen Demokratischen Republik über die Aufstellung von Baueinheiten im Bereich des Ministeriums für Nationale Verteidigung beschlossen. Dieses Datum ist Anlass für die Tagung „Die letzten Tage der Bausoldaten und die Friedliche Revolution. Gewaltfreiheit und Friedensdienst als Herausforderungen für heute.“ vom 4.-6. Oktober 2019 in der Lutherstadt Wittenberg. Seit herzlich eingeladen! Diejenigen, die im April/Mai 1988, November 1988, Mai 1989 und Oktober/November 1989 für 18 Monate zu den Baueinheiten einberufen worden sind, erlebten die NVA in den Tagen der bald dreißigjährigen friedlichen Revolution, mischten sich politisch ein, u.a. in dem sie auf Demos mit Transparenten für einen Zivildienst eintraten, gegen schlechte Arbeitsbedingungen streikten, viele wurden im letzten Monat des Jahres 1989 noch in Krankenhäusern und Pflegeheimen eingesetzt und vorzeitig entlassen. Manche gründeten in ihren Heimatorten das Neue Forum, traten dem Demokratischen Aufbruch oder der SDP bei. Am 31.10.1990 wollte der letzte Bausoldat sich beim Wehrkreiskommando abmelden und seine Uniform abgegeben. Es gab aber keine NVA mehr und das Wehrkreiskommando hieß nun Kreiswehrersatzamt und gehörte zur Bundeswehrverwaltung – die Uniform musste er behalten.

Gibt es heute noch die Notwendigkeit als ehemaliger Bausoldat oder Totalverweigerer für Gewaltfreiheit einzutreten und wie kann dies geschehen? Beim Kongress 2014 diskutierten wir über deutsche Waffenlieferung an halbstaatliche Organisationen für den Schutz der Jesiden vor den Truppen des Islamischen Staates, hatte diese Nothandlung der Bundesregierung die gewünschte Wirkung? Deutschland ist bis heute kein atomwaffenfreies Land. Wie aktuell sind da die Worte der ökumenischen Versammlung in Dresden aus dem Jahre 1989: „Das Abschreckungssystem wird darum ständig und mit innerer Notwendigkeit durch einen immensen Rüstungswettlauf stabilisiert. Die dadurch gewonnene scheinbare Sicherheit bringt auch ohne Krieg Vernichtung durch Verelendung großer Teile der Welt und durch die wachsende Unfähigkeit, lebensbedrohliche ökologische Probleme zu lösen.“

Auch 55 Jahre nach Aufstellung der Baueinheiten und fast 30 Jahre nach deren Ende gibt es Anlass zum Erinnern und Diskutieren.

Mit dabei unter anderen: Renke Brahms (Friedensbeauftragter der EKD), Prof. Dr. Michael Haspel , PD Dr. Anke Silomon , Dr. Thomas Widera sowie Bausoldaten der letzten Jahrgänge oder als Akteure der Friedlichen Revolution.
Es gibt Raum für das persönliche Gespräch in kleinen Gruppen und neue Themen. Wir feiern Gottesdienst und hören Stephan Krawczyk mit seinem Programm „Eingesperrt sein und danach.“