Familienfest mit Waffen - Friedensaktivisten organisierten Mahnwache gegen "Tag der Bundeswehr" in Dresden

Der Sonntag - Wochenzeitung Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens

Mit einer Mahnwache und einem Gedenken an Kriegsdienstverweigerer haben und 30 christliche Friedensaktivisten gegen den "Tag der Bundeswehr" am 9. Juni in Dresden protestiert. Die Truppe in einer Art Familienfest oder Outdoormesse mit Waffen zu präsentieren, sei nicht akzeptabel, sagte Annelie Möller, die neue Friedensreferentin des Ökumenischen Informationszentrums Dresden (ÖIZ). "Wir sehen darin eine gefährliche Manipulation von Minderjährigen." Diese könnten die Tragweite der Entscheidung für oder gegen die Bundeswehr noch nicht abschätzen. Während der Mahnwache führten sie Gespräche mit Besuchern des Bundeswehr-Tages, die von schlechten Erfahrungen mit den tatsächlichen Verhältnisse in der Armee berichteten. Eine Mutter habe ihr auch erschüttert von der Begeisterung ihres Sohnes nach einer Werbeaktion der Bundeswehr an seiner Schule erzählt, so Annelie Möller. Das Bedürfnis, sich über dieses Thema auszutauschen, sei groß. Klaus Gaber, ehemaliger Dresdner Umweltbürgermeister und Waffendienst-Verweigerer in der DDR, sagte beim Gedenken an die Kriegsdienstverweigerer und Deserteure auf dem Nordfriedhof: "Ich glaube nicht daran, dass Gewalt mit Gewalt zu besiegen ist, sie schafft nur neue Gewalt, wie wir täglich erleben." Ihn störe das Missverhältnis zwischen den weltweiten Militärausgaben von täglich rund vier Milliarden Dollar und den zwei Dollar pro Tag, die ein Drittel der Menschen verdiene. Ihn störe auch, dass die Bundesrepublik verpflichtet werden solle, zwei Prozent in ihrer Wirtschaftsleistung für die Rüstung auszugeben. Ihre Selbstverpfllichtung hingegen, 0,7 Prozent für Entwicklungshilfe aufzuwenden, realisiere sie nicht.

Andreas Horn, Pfarrer im Ruhestand, sagte: "Trotz kategorialer Unterschiede zwischen Bundeswehr und Hitler-Wehrmacht kann jeder militärische Konflikt, jede Waffe zu einer eskalierenden Spirale der Gewalt führen, die alles und jeden in den Abgrund zieht." Ethisches Nachdenken zwinge zum Ernst." Dazu gehöre gerade in Dresden, sich an die Folgen des Krieges zu erinnern. "Die Werbung der Bundeswehr im Rahmen eines für den Familienausflug konzipierten Spektakels verschleiert diesen Ernst."

Christoph Münchow, Oberlandeskirchenrat im Ruhestand und Bundesvorsitzender der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK), nannte die Gedenkfeier an den Gräbern von Kriegsdienstverweigerern und Deserteuren am Rande des Nordfriedhofs ein "starkes Signal" und eine "Ermutigung". "Es braucht wache Gewissen und das persönliche Engagement, um dem zunehmend unwidersprochenen Setzen auf militärische Mittel zu widerstehen."
Die Bundeswehr führte Kampftechnik und eine Eliteeinheit vor. Eltern mit ihren Kindern konnten auf Panzer klettern.

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