„Friedensarbeit ist kontinuierliche Aufgabe, für die es Ausdauer braucht“

AGDF

Die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) hat dem Antikriegshaus und Dokumentationsstätte zu Kriegsgeschehen und über Friedensarbeit Sievershausen zum 40-jährigen Bestehen gratuliert. „Diese Arbeit steht für eine kritische, im besten Sinne des Wortes anstößige Stimme in Kirche, Gesellschaft und gegenüber der Politik, für die Erinnerung an die Auswirkungen von Krieg und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, für die Mahnung, heute Verantwortung für diese Fragen zu übernehmen sowie für eine Anwaltschaft für die Konfliktprävention und gewaltfreie, zivile Konflikttransformation und Menschenrechte weltweit“, betonte AGDF-Geschäftsführer Jan Gildemeister in einem Grußwort zum Jubiläum.

Vor 40 Jahren habe der Kalte Krieg und die Konfrontation von NATO und Warschauer Pakt die internationale Politik bestimmt, mit Feindbildern, einer atomaren Hochrüstung und der permanenten Gefahr eines Atomkriegs. „Die Gründung des Antikriegshauses fiel quasi in die Vorphase der Friedensbewegung“, so Jan Gildemeister. Heute würden dagegen nationaler Egoismus, offene Interessenpolitik und Rechtspopulismus die internationale Politik bestimmen, es gebe zahlreiche Konflikte. „Dennoch gelingt es an vielen Orten in der Welt, Krisen zu verhindern und Konflikte gewaltfrei zu transformieren“, betont der AGDF-Geschäftsführer. Doch leider sei dies selten eine Nachricht wert. „Instrumente der Krisenprävention und der zivilen Konfliktbearbeitung werden völlig unzureichend finanziert und fristen politisch weitgehend ein Schattendasein“, kritisiert Gildemeister.

Auch wenn sich Themen und Fragestellungen geändert hätten, so sei die Friedensarbeit heute noch genauso wichtig und aktuell wie vor 40 Jahren, unterstreicht der AGDF-Geschäftsführer. Dies betreffe auch die Arbeit in Sievershausen. Denn: „Notwendig sind die Kritik an Militäreinsätzen, die Aufklärung über Unrecht und die Ursachen für Kriege ebenso wie die Information über gelingende gewaltfreie Konflikttransformation“, so Jan Gildemeister, der betont: „Dies ist leider eine kontinuierliche Aufgabe, für die es Ausdauer braucht.“

Genauso wichtig sei es, dass sich das Antikriegshaus Sievershausen, das auch Mitglied der AGDF ist, an der innerkirchlichen Diskussion beteilige, damit die evangelische Kirche sich profiliert in der Friedensfrage äußere und konkret engagiere, forderte der AGDF-Geschäftsführer. Erst vor wenigen Jahren habe die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) damit aufgehört, Militäreinsätze zu unterstützen, zu rechtfertigen oder zumindest nicht öffentlich zu kritisieren, so Jan Gildemeister. „Viele Landeskirchen setzen sich mit der Friedensfrage auseinander und haben sich auf den Weg gemacht, Kirche des gerechten Friedens zu werden“, unterstreicht der AGDF-Geschäftsführer. Im November befasse sich die EKD-Synode in Dresden mit dem Schwerpunkt Frieden. „Aber was steht am Ende der Kundgebung? Was für Beschlüsse werden gefasst? Welche Rolle wird die Gewaltfreiheit spielen?“, fragt Gildemeister. Gerade darum sei es wichtig, dass sich Friedensorganisationen wie das Antikriegshaus in die kirchliche Debatte einbringen würden, macht der AGDF-Geschäftsführer deutlich.
(Dieter Junker)

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