„Für den Frieden brauchen wir die AGDF“

AGDF

Vor 50 Jahren gründete sich in Bonn die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF). Mit zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen will der Friedensverband dieses Jubiläum ein Jahr lang feiern. Den Auftakt bildeten ein Empfang und ein Gottesdienst in Bonn. Mit vielen Gästen und Gratulanten.

„1968 wurde ein Dach gezimmert, das den vielen Friedens-Initiativen und –Ideen in Deutschland Raum geben sollte“, betonte Bärbel Wartenberg-Potter, die frühere Lübecker Bischöfin, in ihrer Predigt im Festgottesdienst in der Krypta der Kreuzkirche in Bonn. Theologische Gedankenarbeit und konkretes Engagement seien hier zusammen gekommen, als Bausteine für eine Friedenstheologie, Aufbaulager und Kriegsdienstverweigerung, gewaltfreie Konfliktlösungen, Transformation von Konflikten, Schwerter zu Pflugscharen  und Frieden schaffen ohne Waffen, Kampf dem Atomtod und Friedensdienste, so die Theologin.

Und für diese Arbeit der AGDF gab es Lob und Dank sowohl von der evangelischen Kirche wie auch von Politik und Gesellschaft. „Die AGDF steht für einen markanten Zweig eines politisch engagierten Protestantismus und repräsentiert eine Vielzahl lokal verankerter Friedensinitiativen“, unterstrich Dr. Irmgard Schwaetzer, die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Mitglied im Rat der EKD. Durch die AGDF werde die pazifistische Friedensethik im Protestantismus präsent gehalten, „durchaus auch im kritischen und konstruktiven Gegenüber zur verfassten Kirche“, so die Präses der EKD-Synode beim Empfang im Haus der evangelischen Kirche in Bonn. 

Kern des AGDF-Engagements sei auf der einen Seite ein beharrliches, öffentliches, kritisches und parteiisches Eintreten für den Frieden, und auf der anderen Seite die sorgfältige und kundige Entwicklung von alternativen Politikmodellen zur Friedensförderung, unterstrich Irmgard Schwaetzer. Die AGDF habe sich immer im Bereich der evangelischen Friedensarbeit verortet, manche mit größere Nähe, andere eher mit einer gewissen Distanz. Doch das EKD-Ratsmitglied machte in Bonn deutlich: „Für die EKD ist die AGDF so etwas wie ein zivilgesellschaftlicher Seismograph, ein empfindlicher Anzeiger für gesellschaftliche Veränderungen und politische Verschiebungen.“ Ihre Bitte an die AGDF daher in Bonn: „Bleiben sie ein Partner, gerne auch, wenn nötig, ein unbequemer Partner. Für unsere Kirche und auch für die Politik. Wir brauchen die AGDF.“

Feindschaften überwinden, Vertrauen aufbauen. Dies sei die Basis für Frieden, betonte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Stefan Zierke, beim Empfang in Bonn. „Der Austausch zwischen den Menschen, das gegenseitige Kennenlernen ist wichtig für den Frieden“, so der Staatssekretär. Darum sei es erforderlich, dass es die Friedens- und Freiwilligenarbeit der AGDF gebe. „Sie wollen Gräben überwinden, national und international: mit Jugendbegegnungen, Freiwilligendiensten, Sühnediensten, Friedenseinsätzen von Fachkräften, Angeboten zur gewaltfreien Konfliktbearbeitung, Bildungsangeboten und vielem mehr. Sie überwinden Grenzen und geben jungen Menschen die Möglichkeit, andere Völker, Kulturen und Länder kennenzulernen. Denn die Menschen wollen den Frieden“, ist Zierke überzeugt. Für den Staatsekretär ist dabei eins klar: „Der Frieden braucht Menschen, die sich um ihn kümmern.“ Und darum: „Für den Frieden brauchen wir die AGDF und ihre Mitgliedsorganisationen.“

Die AGDF als ein „Forum des Austausches und eine starke Basis für die Bündelung gemeinsamer Interessen mit klarem friedenspolitischen Anspruch“ würdigte Jannis Gebken, der Vorsitzende von ICJA Freiwilligenaustausch weltweit, beim Empfang die Arbeit des Friedensverbandes. Und er forderte die AGDF auf, sich den aktuellen gesellschaftspolitischen Herausforderungen und Gefahren für den Frieden angesichts von wachsender Fremdenfeindlichkeit und einem gesellschaftlichen Rechtsruck zu stellen. Frieden, Freiheit und Demokratie seien in Deutschland in unmittelbarer Gefahr. Hier gelte es sich zu engagieren. „Alles andere entspräche nicht unserem Selbstverständnis aus 50 Jahren AGDF“, betonte Gebken mit Nachdruck.

Auf die enge Zusammenarbeit von Diakonie, Entwicklungshilfe und Friedensarbeit verwies Dr. Cornelia Füllkrug-Weitzel, die Präsidentin von Brot für die Welt und stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Evangelischen Werkes für Diakonie und Entwicklung, in einem verlesenen Grußwort beim Empfang in Bonn. „Die Dienste der AGDF und der Personaldienst von Brot für die Welt stehen heute dafür, dass der Dienst für den Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung unzertrennlich und für jede und jeden Einzelnen tägliche Herausforderung ist“, betonte sie und machte klar: „Gemeinsam und jeder auf seinem besonderen Weg setzen wir uns weiter für Gerechtigkeit und Frieden ein, gegen Armut, Gewalt und gesellschaftliche Ungerechtigkeit.“

Den Blick nach vorne richtete Professor Dr. Conrad Schetter vom Bonn International Center for Conversion. „Ich glaube, dass die AGDF in Zukunft eine wichtige Rolle für den Frieden spielen wird, wenn sie ihre verschiedenen Instrumente der Friedensarbeit genau dort einsetzt, wo Hass, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit entstehen und kultiviert werden“, machte er in Bonn deutlich. Hier müsste die AGDF klare Grenzen des Tolerierbaren aufzeigen und Widerstand wie Gegenrede gegen Rassismus und Ausgrenzung leisten. Gleichzeitig müsste aber auch der Dialog gesucht und Brücken zu den Menschen gebaut werden, die sich radikalisieren. 

Der Wissenschaftler verwies dabei auf einen Schatz in der AGDF, der in Zukunft immer stärkere Bedeutung erhalten werde. „Es geht darum, Brücken zwischen der Zivilgesellschaft in Deutschland und im Ausland zu bauen. Das ist eine der wesentlichen Stärken der AGDF, die sie mit ihren Programmen und Projekten im In- und Ausland über die vergangenen Jahrzehnte entwickelt hat. Die AGDF stellt daher einen wichtigen Netzwerkpartner transnationaler Friedensarbeit dar, dem ich in Zukunft einen weiteren Bedeutungsgewinn prognostiziere“, so Conrad Schetter. 

Und damit zurück zur Predigt beim Festgottesdienst zum AGDF-Jubiläum. Auch hier hatte die ehemalige Lübecker Bischöfin den Blick nach vorne gerichtet. „Es geht weiter. Mit den Protesten, Plakaten, Recherchen, Unterschriftaktionen, konkretem Engagement in der Einen Welt. Wir sind unverzichtbar. Unablässig beten und nicht verzweifeln sollen wir, damit der Menschensohn, wenn er kommt, und er ist ja bereits unter uns, die Treue zu Gott auf der Erde findet“, so Bärbel Wartenberg-Potter.

Christine Busch, die AGDF-Vorsitzende, hatte bei einer Andacht zum Auftakt der Mitgliederversammlung der AGDF, in die der Empfang und der Gottesdienst eingebunden waren, bereits zur künftigen Aufgabe der AGDF betont: „Es braucht klare Worte in mehrere Richtungen: politisch eindeutig, denn wir haben Standpunkte. Menschlich entgegenkommend, denn wir wollen Gehör finden und die Herzen erreichen. Solidarisch, denn wir denken und handeln von denen her, die unsere Stimme brauchen. Bescheiden, denn wir wissen, dass wir nicht aus eigener Machtvollkommenheit unterwegs sind.“
(Dieter Junker)

 

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