Mut zum Frieden - Erklärung der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland zum Ende des Ersten Weltkriegs 1918

Wenn ein Krieg endet, heißt das nicht, dass damit der Frieden begonnen hat. Das ist eine Lehre aus dem Ersten Weltkrieg. Zwar zeigte dieser Krieg ein bis heute erschreckendes Maß an Grausamkeit und Entmenschlichung, jedoch war das erst der Auftakt einer modernen Kriegsführung, deren Spur enthemmter Gewalt sich durch das gesamte 20. Jahrhundert ziehen sollte.
Heute hat sich die Art und Weise, wie Krieg geführt wird, noch einmal drastisch verändert. Wir hören jetzt von Cyberkrieg, Drohnenangriffen, autonomen Waffensystemen, Bedrohung durch ABC-Waffen und weltweitem Terrorismus. Dabei sind die Konfliktlinien und Kriegsparteien oft nicht mehr eindeutig auszumachen.
Im Gedenken an die Beendigung des Ersten Weltkriegs am 11. November 1918 und in Wahrnehmung der neuen Gefährdungspotenziale fühlen wir uns, wie schon in unserer Erklärung „Schuld und Versagen“ von 2014, verpflichtet, an unsere christlich-adventistische Haltung zu erinnern. Dabei gilt zu berücksichtigen:
1. Krieg ist nicht gerecht
Hinter jedem militärischen Konflikt stecken offene und versteckte Interessen, die nicht vom reinen Streben nach Gerechtigkeit getrieben sind. Es geht auch um Ressourcen, Wirtschaft, Einfluss, Abhängigkeit und Macht. Das Schicksal der Menschen in Konfliktgebieten ist häufig zweitrangig. Kollateralschäden durch fehlgeleitete Angriffe gegen eigene Soldaten oder die Zivilbevölkerung werden in Kauf genommen. Deshalb erklärten bereits im Dezember 1983 die Ausschüsse des Westdeutschen und Süddeutschen Verbandes unserer Freikirche, auch im Hinblick auf die Existenz von Massenvernichtungswaffen: „Wir lehnen heute Krieg in jeder Form ab.“
2. Krieg und Bedrohung schüren Angst
Die jetzigen Bedrohungsszenarien und die moderne Kriegsführung, einhergehend mit einer neuen Aufrüstungsspirale, der öffentlichen Zurschaustellung militärischer Stärke und begrenzten Vernichtungsschlägen durch Bomben und Raketen, erzeugen Angst.
Angst ist das wirksamste Instrumentarium des Krieges und eine ständige Gefährdung des Friedens. Auch ein übersteigerter Nationalismus mit aggressiver Abgrenzung von anderen Nationen schürt Angst und bedroht den Frieden.
3. Krieg als Wirtschaftsfaktor
Die industrielle Fertigung von Kriegsmitteln ist weltweit und national ein erheblicher Wirtschaftsfaktor. Herstellung und Vertrieb geschieht meist mit der Kennzeichnung als Sicherheits- oder Verteidigungsmittel. Das ändert jedoch nichts an dem Zweck, damit Menschenleben zu gefährden oder zu beenden.
Jesus Christus hat seine Nachfolger zu Friedensstiftern berufen. Wo Menschen im Frieden mit Gott leben, suchen sie auch den Frieden mit Menschen; denn der Friede ist unteilbar und durchdringt alle Lebensbereiche. Deshalb heißt es in unserer Erklärung von 2014 zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren: „Wir glauben, dass Nachfolger Jesu den Aussagen der Heiligen Schrift am besten Folge leisten, wenn sie in ihrer Umgebung als Botschafter des Friedens und der Versöhnung wirken.“
Darum empfehlen wir Adventistinnen und Adventisten sowie den Mitgliedern der Adventjugend, sich weder direkt an einem Krieg im Rahmen des freiwilligen Dienstes in der Bundeswehr noch indirekt bei der Vorbereitung eines Kriegs durch Mitwirkung an der Waffen- und Zubehörproduktion sowie an der Informationstechnik zu beteiligen. Seit Aussetzung der Wehrpflicht in Deutschland im Jahr 2011 bietet die Bundeswehr Anreize, sich freiwillig für die Streitkräfte zu verpflichten, etwa eine Berufsausbildung oder ein Studium. Trotzdem „ermutigt unsere Kirche aufgrund des nichtkämpferischen Grundgedankens der Bibel … niemanden, sich dem Militär anzuschließen“, schreibt der Präsident unserer Generalkonferenz (Weltkirchenleitung), Ted N. C. Wilson, in Adventist World, August 2014, S. 9. Und er stellt fest: „Siebenten-Tags-Adventisten haben ihr historisches Zeugnis für den Frieden und den Dienst ohne Waffen in den 151 Jahren ihres Bestehens nicht aufgegeben.“ Frieden zu stiften fängt in den menschlichen Beziehungen des eigenen Umfelds an und setzt sich von dort fort bis in gesellschaftspolitische Verantwortungsübernahme. Zum Frieden beitragen können daher auch der Einsatz für die Religionsfreiheit, Armutsbekämpfung durch Bildung, Erhaltung der Gesundheit durch Krankenhäuser und Gesundheitsaufklärung, Unterstützung von Lebensqualität durch die Arbeit der Adventistischen Entwicklungs-und Katastrophenhilfe (ADRA) sowie des Advent-Wohlfahrtswerks (AWW).
Wir sind der Überzeugung, dass Versöhnung, Vergebung, Frieden und Gerechtigkeit nur auf dem Boden einer gewaltfreien Lebensart gedeihen können; so, wie es uns unser Herr und Meister, Jesus Christus, in seinem Leben und Sterben vorgelebt hat. In seinem Sinne wollen wir unsere Verantwortung in dieser Welt gewaltfrei ausüben. Als Adventisten glauben wir, dass mit Jesu Wiederkunft das Friedensreich Gottes auf uns zukommt. Gehen wir ihm schon heute durch unser Verhalten entgegen.
Im Namen der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland
Werner Dullinger, Johannes Naether
Vorsitzender, Stellvertretender Vorsitzender

Anhang: