Pressemitteilung der EAK zum Tag der Bundeswehr: Bundesregierung muss endlich auch zivile Dienste würdigen

Bonn, 12. November 2019/dj

Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für KDV und Frieden (EAK)
hat anlässlich zahlreicher Veranstaltungen zum 64. Gründungstag
der Bundeswehr die Bundesregierung aufgefordert, mehr für die
öffentliche Anerkennung und Wertschätzung von Friedens- und
Freiwilligendiensten zu tun, ebenso aber auch für Menschen, die
aus Gewissensgründen den Dienst mit der Waffe ablehnen und
dafür bis heute Nachteile in Kauf nehmen müssen.
„Es ist schwer zu verstehen, warum von Ministern immer wieder
eine fehlende Anerkennung von Soldatinnen und Soldaten
beklagt und der Gründungstag der Bundeswehr mit zahlreichen
Veranstaltungen groß gefeiert wird, die gleiche Bundesregierung
aber nichts unternimmt, um zivile Dienste und diejenigen, die mit
einem zivilen Engagement Friedensarbeit leisten, für ihre Arbeit
zu würdigen“, kritisiert Lutz Krügener, einer der beiden Sprecher
der EAK. Dies sei zuletzt erst wieder geschehen, als die
Bundesregierung Freifahrten für Soldatinnen und Soldaten in
Uniform bei der Deutschen Bahn ermöglichte. „Eine
Gleichbehandlung für Freiwilligendienste hat hier für die
Bundesregierung dagegen keine Rolle gespielt“, mahnt Krügener,
der auch Friedensbeauftragter der Evangelisch-lutherischen
Landeskirche Hannovers ist.
„Es ist gut, dass wir schon lange keine Gesellschaft mehr sind, die
mit wehenden Fahnen das Militär bejubelt, sondern militärischen
Einsätzen eher kritisch gegenübersteht“, meint dazu Detlev
Besier. Dies habe historische Gründe, aber es spiele sicher auch
die Erkenntnis eine Rolle, dass Krieg und Militär für keinen
Konflikt der Welt eine Lösung seien, so das EAK
Vorstandsmitglied. Detlev Besier ist Friedenspfarrer der
Protestantischen Kirche der Pfalz.
Und er fügt hinzu: „Mindestens aus Sicht von
Kriegsdienstverweigerern, die während ihres aktiven Dienstes in
der Bundeswehr verweigern, aber nicht zuletzt auch im Blick auf
diejenigen, die vorher verweigert haben und dafür oft genug
Nachteile in der Gesellschaft in Kauf nehmen mussten, muss eine
solche Forderung nach einer öffentlichen Anerkennung und
Wertschätzung von Soldatinnen und Soldaten wie Hohn
vorkommen.“ 50 Jahre lang hätten mehr als zweieinhalb Millionen
Zivildienstleistende bis 2011 in mehr als 37.000 Einrichtungen
ihren Dienst abgeleistet und wichtige Aufgaben für die
Gesellschaft übernommen. „Aber erst 1985 hat ein
Bundeskanzler erstmals Zivildienstleistende besucht. Und wie oft
mussten sie sich anhören, sie seien Drückeberger. Oder wurde
der Dienst in der Bundeswehr von der Bundesregierung als
wichtiger betrachtet“, meint Detlev Besier. Hier würden viele auf
ein Bedauern seitens der Bundesregierung warten, ist er
überzeugt. Und wenn heute Soldatinnen oder Soldaten im Dienst
aus Gewissensgründen ihr Grundrecht auf
Kriegsdienstverweigerung wahrnehmen würden, bekämen sie
von der Bundeswehr Schwierigkeiten und Hindernisse in den Weg
gelegt, kritisiert Besier.
Die neue Bundesverteidigungsministerin und CDU-Bundesvorsitzende
Annegret Kramp-Karrenbauer hatte im
Deutschen Bundestag bei ihrer Vereidigung gefordert, in diesem
Jahr am 12. November, dem Tag, an dem die Bundeswehr vor 64
Jahren gegründet wurde, zahlreiche öffentliche Gelöbnisse zu
feiern, als starkes Signal und Zeichen der Anerkennung für
Soldatinnen und Soldaten. Nach Angaben des
Bundesverteidigungsministeriums gibt es am 12. November
sechs Öffentliche Gelöbnisse, darunter auch am Reichstag in
Berlin, sowie zwei Benefizkonzerte sowie eine
Fahnenbandverleihung.

Anhang: