Projektgruppe hofft auf ein klares Nein zu Atomwaffen von der Evangelischen Landeskirche in Hessen und Nassau

Evangelische Friedensarbeit

Mit großer Verwunderung hat die Projektgruppe „Kirchen gegen Atomwaffen“, der Christinnen und Christen aus mehreren evangelischen Landeskirchen sowie der katholischen Friedensbewegung Pax Christi angehören, auf die Entscheidung der Landessynode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau reagiert, einer Ächtung von Atomwaffen nicht zuzustimmen. Einen Beschluss über eine friedensethische Stellungnahme, in der Atomwaffen abgelehnt werden, hatte die Synode Anfang Mai auf den Herbst vertagt.

„Viele Landeskirchen haben sich bereits für ein Atomwaffenverbot, für die Aufnahme eines Atomwaffenverbots in das Grundgesetz und einen Abzug der Nuklearwaffen aus Deutschland ausgesprochen. Und die EKD-Friedensdenkschrift von 2007 betont eindeutig, dass aus Sicht evangelischer Friedensethik die Drohung mit Nuklearwaffen heute nicht mehr als Mittel legitimer Selbstverteidigung betrachtet werden kann“, betont die Projektgruppe bei einem Treffen in Frankfurt/Main. Ebenso habe sich die Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Busan für eine atomfreie Welt ausgesprochen, und Papst Franziskus habe wiederholt betont, dass der Besitz von Atomwaffen ethisch nicht vertretbar sei. Hier sieht sich die Projektgruppe daher in großer ökumenischer Verbundenheit, was die Ablehnung von Atomwaffen angeht.

Aus diesem Grund ist für die Projektgruppe „Kirchen gegen Atomwaffen“ die Entscheidung der hessisch-nassauischen Landessynode, einer Ächtung von Atomwaffen nicht erneut zuzustimmen und damit auch frühere Beschlüsse der Landeskirche zu bestätigen, unverständlich. Die Gruppe hofft daher, dass der Synodenausschuss für Frieden, in den die friedensethische Stellungnahme überwiesen wurde, an der Forderung einer Ächtung von Atomwaffen weiter festhält und dass sich die Landessynode auf ihrer Herbsttagung dann deutlich positioniert und sich „ohne Wenn und Aber“ gegen Atomwaffen ausspricht. Die Projektgruppe erinnerte dabei die Landessynode auch an einen Satz ihres früheren Kirchenpräsidenten Martin Niemöller, der gesagt hatte, er könne sich keinen Jesus vorstellen, der ihm auf die Frage „Herr, was soll ich tun?“ antworten würde: „Geh hin und wirf eine Atombombe!“

Die Projektgruppe ruft, wie schon im vergangenen Jahr, am 7. Juli 2019, dem zweiten Jahrestag der Verabschiedung des Atomwaffenverbotsvertrages durch 122 Staaten, erneut zu einem Aktionstag am letzten deutschen Atomwaffenstützpunkt in Büchel in der Eifel auf. Dabei wird die frühere EKD-Ratsvorsitzende und ehemalige hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann im Gottesdienst am Haupttor des dortigen Fliegerhorstes die Predigt halten.

Die Projektgruppe „Kirchen gegen Atomwaffen“ hatte sich im Dezember 2017 auf Initiative des badischen Forums Friedensethik gebildet. Ihr gehören derzeit Christinnen und Christen aus den Evangelischen Landeskirchen in Baden, Bayern, Hessen-Nassau, Kurhessen-Waldeck, der Pfalz, dem Rheinland und Württemberg an, ebenso nehmen Mitglieder der katholischen Friedensbewegung Pax Christi an den Treffen teil.
(Dieter Junker)

Links zum Thema

Aktionstag Büchel