Synode setzt klares Signal für Friedensethik (EKHN) - Position Martin Niemöller-Stiftung

Heute Morgen am 28. November 2019 um 10.08 Uhr hat die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) folgenden Satz einstimmig und unter großem Applaus angenommen:
„Wir, die Kirchensynode und Kirchenleitung der der EKHN, fordern die Bundesrepublik Deutschland auf, den Atomwaffenverbotsvertrag der Vereinten Nationen (UN) zu unterzeichnen.“*

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hatte vor einer Woche (20.11.2019) beschlossen: „Wir fordern, dass die Bundesregierung konkrete Schritte einleitet, den Atomwaffenverbotsvertrag zu unterzeichnen und zu ratifizieren…“**

Die Martin-Niemöller-Stiftung erklärt:

Der sprachliche Unterschied mag gering sein, in der Sache ist es der Unterschied ums Ganze:

EKHN: Eine klare unmissverständliche Forderung, die dem Frieden dient und alle unterstützt, die Fortschritte anstreben oder sehen wollen.

EKD: Ein diplomatisches Gesäusel, das niemandem hilft und die Regierung nicht stört.

„Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau EKHN hat in der Atomwaffen-Frage ein starkes Signal gesetzt, erfreulich anders als die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD),“ erklärt Michael Karg, der Vorsitzende der Martin-Niemöller-Stiftung in Wiesbaden, „und dies gilt auch für die unmissverständliche Begründung.“

Im heutigen Beschluss der EKHN heißt es: „Atomwaffen sind Massenvernichtungsmittel. Ihre Herstellung, Bereitstellung und ihr Einsatz sind zu ächten.“

Hintergrund

Damit überwindet die EKHN die 1959 formulierten „Heidelberger Thesen“ der EKD, die „die Beteiligung an dem Versuch, durch das Dasein von Atomwaffen einen Frieden in Freiheit zu sichern, als eine heute noch mögliche christliche Handlungsweise“ anerkannten.

Damit konkretisiert die EKHN die 2007 formulierte Position der EKD, dass „die Drohung mit Nuklearwaffen“ nicht mehr „als Mittel legitimer Selbstverteidigung“ betrachtet werden könne.

Die EKHN nähert sich nun der Haltung des Reformierten Bundes an, der 1982 in seinem „Bekenntnis zu Jesus Christus und die Friedensverantwortung der Kirche“ den status confessionis gegen die atomaren Massenvernichtungsmittel erklärte.

Die EKHN nimmt die Anstöße der DDR-Kirchen aus der Ökumenischen Versammlung Dresden-Magdeburg-Dresden (1989 Absage an „Geist, Logik und Praxis der auf Massenvernichtungsmitteln gegründeten Abschreckung“) auf und schließt sich der internationalen Ökumene an, die in den Erklärungen der Vollversammlungen des Ökumenischen Rates der Kirchen in Vancouver/Kanada (1983) und Busan/Republik Korea (2013) ähnlich formulierte.

Konsequenzen aus der heutigen Beschlusslage

Die Militärseelsorge müsste ihre Haltung zu den Atomwaffen klären. In „Friedensethik im Einsatz - Handbuch der Evangelischen Seelsorge in der Bundeswehr “ (herausgegeben vom Evangelischen Kirchenamt für die Bundeswehr, Gütersloh, 1. Auflage 2009, S. 196) ist zu lesen: „Könnte ein Einsatz von Nuklearwaffen streng auf ein oder mehrere militärische Ziele beschränkt werden und würde er voraussichtlich keine ausgedehnten, langanhaltenden und schweren Umweltschäden verursachen und außerdem verhältnismäßig in dem Sinne angesehen werden, dass kein exzessiver Kollateralschaden verursacht würde, könnte er kaum als unzulässig angesehen werden“.

“Leider bestimmt die Stimme einer Landeskirche noch nicht die Bundeseinrichtung Militärseelsorge“, erklärt Michael Karg.

Die Friedensbewegung, auch die evangelisch und ökumenisch orientierten Initiativen, sowie die breite kritische Öffentlichkeit haben auf eine derartig klare Aussage zur Frage der Atomwaffen schon lange gehofft. Die Friedensbewegung wird sich gestärkt sehen und ihre Bemühungen verstärken.

Die Martin-Niemöller-Stiftung erwartet, dass die EKD und ihre Gremien nun erneut an die Frage ihres Verhältnisses zur Atombewaffnung herangehen.

Martin Niemöller hat 1958 als Kirchenpräsident der EKHN sehr früh den Weg gewiesen: „Ich kann mir keine Situation vorstellen, in der ich auf die Frage, "Herr, was willst du, daß ich tun soll?" von Gott die Antwort erhalte "Wirf eine Atombombe!"“

Siehe Anhang Foto  Martin-Niemöller-Stiftung

Wiesbaden, 28. 11. 2019, Gez. Michael Karg, Vorsitzender

* https://www.ekhn.de/aktuell/detailmagazin/news/synode-setzt-klares-signal-fuer-friedensethik.html

** https://www.ekd.de/kundgebung-ekd-synode-frieden-2019-51648.htm

 

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