Kampagne: Unter 18 nie - keine Minderjährigen in der Bundeswehr!

Keine Fake News: es gibt 17-jährige Rekrut*innen in der Bundeswehr. Seit 2011 hat sich deren Zahl sogar verdreifacht – von 689 auf 2128 im vergangenen Jahr. Besonders stark stieg dabei die Zahl der minderjährigen Soldatinnen die sich seit 2011 (57) fast verachtfacht hat.

Auch nach Beendigung ihrer sechsmonatigen Probezeit waren im vergangenen Jahr 90 Soldat*innen noch nicht volljährig. Bei der Rekrutierung von Minderjährigen durch die Bundeswehr kann durchaus von Kindersoldaten gesprochen werden, denn laut der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen (UN) gelten Personen unterhalb der Volljährigkeitsgrenze von 18 Jahren als Kinder. Die UN-Kinderrechtskonvention verbietet die Rekrutierung von Minderjährigen für bewaffnete Konflikte. Die Bundesrepublik Deutschland gehört zu den wenigen Vertragsstaaten, die von der Ausnahmeregelung des Fakultativprotokolls Gebrauch machen und minderjährige Freiwillige für die eigenen Streitkräfte anwerben. In der Praxis betrifft dies freiwillige Wehrdienstleistende und Soldatinnen und Soldaten auf Zeit, die nach Beendigung der Mindestschulzeit meist als 17-Jährige eine militärische Ausbildung bei der Bundeswehr beginnen.

Die Kampagne „Unter 18 nie - Keine Minderjährigen in der Bundeswehr!“ wird getragen von einem breiten Bündnis verschiedener Organisationen und Zusammenschlüsse aus den Bereichen der Friedensinitiativen, der Kirchen und der Gewerkschaften.

Die Kampagne fordert:

  • Anhebung des Rekrutierungsalters für den Militärdienst auf 18 Jahre
  • Verbot jeglicher Bundeswehrwerbung bei Minderjährigen

Was das Kampagnenbündnis eint, ist die Überzeugung, dass Soldat*in zu sein kein Beruf und die Bundeswehr kein Arbeitgeber wie jeder andere ist, denn die Ausbildung zu*r Soldat*in bedeutet nun einmal, das Töten zu lernen. Bei der Bundeswehr kann man jederzeit gegen seinen Willen in einen Auslandseinsatz geschickt werden. In den Auslandseinsätzen der Bundeswehr werden Soldat*innen Gefahr laufen, das Gelernte anwenden zu müssen. Sie müssen zudem mit dem Risiko leben, selbst traumatisiert, verletzt oder gar getötet zu werden.

Wer sich einmal bei der Bundeswehr verpflichtet hat, kann nicht einfach kündigen, sondern muss in einem stigmatisierenden Verfahren den Dienst an der Waffe aus Gewissensgründen verweigern und mit hohen Rückzahlungen für die bereits in Anspruch genommenen Ausbildungen rechnen.

Die Bundeswehr versucht sich seit der Abschaffung der Wehrpflicht verstärkt mit einer „Charmeoffensive“ als attraktiven und familienfreundlichen Arbeitgeber darzustellen, um neue Rekrutinnen und Rekruten zu gewinnen. Der UN-Fachausschuss für die Rechte des Kindes kritisiert die Rekrutierungs- und Werbemaßnahmen der Bundeswehr deutlich. Die Schülerinnen und Schüler sind zu einem großen Teil noch minderjährig und können deshalb die Konsequenzen, die eine Ausbildung bei der Bundeswehr für sie und ihr weiteres Leben hätte, nicht im vollen Umfang überblicken.

Untersuchungen der britischen Armee zeigen, dass unter den minderjährigen Rekrut*innen die Fälle von psychischen Traumata wie posttraumatische Belastungsstörungen, Mobbing, Selbstverletzung und Selbstmord deutlich höher sind als bei Erwachsenen. Für sie besteht außerdem ein höheres Risiko, nach ihrer Entlassung an Alkoholismus zu erkranken. Die Kinderkommission des Deutschen Bundestages in der 18. Wahlperiode hat auch deshalb sozialwissenschaftliche Untersuchungen zu diesen Themen in der Bundeswehr empfohlen. Die Bundesregierung hat auf Anfrage allerdings geäußert, dass eine solche Studie derzeit weder in Auftrag gegeben wurde, noch überhaupt beabsichtigt ist.

Nur wenige Staaten weltweit rekrutieren überhaupt noch Minderjährige und ausgerechnet in Deutschland steigen die Zahlen immer weiter an. Im Jahr 2017 hat die BRD europaweit die meisten Minderjährigen rekrutiert. Wie soll sich Deutschland glaubwürdig dafür einsetzen, dass Länder wie Afghanistan oder Somalia nicht länger Kinder in ihre Armeen rekrutieren, wenn es in der Bundeswehr minderjährige Soldaten gibt?

 

Mehr Infos unter www.unter18nie.de