EAK Rundbrief August 2018

Die Friedensstimme aufnehmen und ihr folgen

Liebe Leserinnen und Leser!

In den nächsten Wochen werden Gedenktage nur so purzeln. Am 8. August 1918 begann das Ende des 1. Weltkrieges, als über 500 alliierte Panzer bei Amiens auf die deutschen Stellungen losrollen. Am 11. November um fünf Uhr wird der Waffenstillstand von Compiègne mit seinen Nachwirkungen bis heute unterzeichnet: die Verträge von Trianon und Versailles, die politischen Veränderungen in Deutschland und die Wirren der Weimarer Republik.

Vor vier Jahren, zum Beginn der Erinnerung an den 1. Weltkrieg, war oft vom Scheitern des Pazifismus und vom Versagen pazifistischer Bewegungen die Rede. In Korrespondenz dazu blieben die zahlreichen Friedensbemühungen vor und während des 1. Weltkrieges meist außen vor angesichts der Kriegsbegeisterung evangelischer Theologen, um den politischen Relevanzverlust der Theologie in wilhelminischer Zeit wettzumachen.

Inter arma silent musae - wenn die Waffen sprechen, schweigen die Musen. Meint das Sprichwort. Aber die Stimme des Friedens schweigt nicht, auch wenn Kanonendonner und Hurrapatriotismus sie übertönen. Es ist eine historische Bringeschuld und eine für heute notwendige Aufgabe, dieser Friedensstimme als Fundament und Impuls für heutiges Friedensengagement Gehör zu verschaffen.

Ich denke an den Friedensappell von 1913 der über 3400  Theologen zur Völkerverständigung und zu internationalen Rechtsabkommen zur Verhinderung des drohenden Krieges, den der Pfarrer der Berliner Gedächtniskirche, Walther Nithack-Stan, formulierte. Am 1. August 1914 wurde in Koblenz der Weltbund für Internationale Freundschaftsarbeit der Kirchen gegründet und auch der Grundstein für den Internationalen Versöhnungsbund gelegt, die nach dem Fiasko des 1. Weltkrieges mit dem Friedensbund Deutscher Katholiken und anderen Initiativen ihre pazifistische Stimme gegen die zunehmende Militarisierung erhoben trotz des Vorwurfs des Volksverrats. Viele Friedensinitiativen hatten einen Verständigungsfrieden statt Annexionsfrieden gefordert und frühzeitig auf die bis heute virulente Minderheitenfrage  aufmerksam gemacht, so auch Erzbischof Nathan Söderblom in Uppsala und Friedrich Siegmund-Schultze. Im Raum stand die bis heute aktuelle Frage: „Was gibt uns Sicherheit?“, die dann Dietrich Bonhoeffer 1934  in Fanö aufgriff. Wenig bekannt ist, dass Papst  Benedikt XV. im Juli 1915 der „grauenhaften Schlächterei ein Ende zu setzen“ forderte: „Niemand sage, dass dieser grausige Streit sich nicht ohne Waffengewalt schlichten ließe“. Und als der österreichische Botschafter ihn bat, die Waffen des Kaiserreichs zu segnen, war seine Antwort: „Ich segne den Frieden!“

Heutige Konfliktlagen innerhalb und außerhalb Europas lassen die zukunftsgerichtete Aktualität der Friedensbemühungen während und nach dem 1. Weltkrieg erkennen, ebenso die Notwendigkeit der Verankerung solcher Friedensstimmen im öffentlichen Bewusstsein und in der Politik. Angesichts der beklagten Erfolgslosigkeit braucht es heute Ermutigung und Ertüchtigung zu klaren Äußerungen der Friedensstimme, um der Friedenslogik zunehmend Wirksamkeit zu verschaffen anstatt einer das persönliche Sicherheitsbedürfnis ausnutzende Sicherheitslogik zu folgen, die als vernetzte bzw. gemeinsame Sicherheit in anderen Prinzipien gründet als die Sicherheitspartnerschaft im KSZE-Prozess nach 1973  zur Beendigung des Kalten Krieges. 

Die Verleihung des Friedrich Siegmund-Schultze Förderpreises für gewaltfreies Handeln und der nachfolgende Studientag am 9. und 10. Oktober „Kriege beenden – Frieden beginnen. 100 Jahre Ende erster Weltkrieg: Erinnern für die Zukunft“ wird damalige Friedensinitiativen lebendig werden lassen und aktuelle Herausforderungen für die Friedensarbeit und Friedenspolitik in den Blick nehmen. Als starkes Friedenszeugnis entstand 1912 kurz vor dem 1. Weltkrieg das inzwischen weit verbreitete Gebet „Herr, mache mich zum Werkzeug deines Friedens“, das zeitweilig Franz von Assisi zugeschrieben wurde. Es stammt aus dem Umfeld einer sich universal verstehenden französisch-englischen Friedensvereinigung in der Normandie, die sich für Frieden und Gerechtigkeit in Europa einsetzte. Es wurde dem Friedenspapst Benedikt XV.  zugesandt und erschien 1916 im „Osservatore Romano“ in italienischer Sprache, eine Woche später in der Pariser Zeitung „la Croix“.[1]  Es wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und macht so weltweit auf die Langzeitwirkung von übersehenen Friedensbemühungen und auf das Fundament aktueller Friedensarbeit aufmerksam. 

Mit besten Wünschen für Ihre Vorhaben in nächster Zeit
Ihr Christoph Münchow

 


[1] Zu den Einzelheiten siehe Frieder Schulz. Neue Forschungen über das sog. Franziskusgebet, Jahrbuch für Liturgik und Hymnologie, 2002, S. 46 – 52.

 

 

Inhaltsverzeichnis

  • Studientag „Kriege beenden – Frieden beginnen. 100 Jahre Ende Erster Weltkrieg: Erinnern für die Zukunft“
  • Verleihung des "Friedrich Siegmund-Schultze Förderpreises für gewaltfreies Handeln"
  • Brahms: Deutschland soll Atomwaffenverbotsvertrag beitreten
  • Wirken getragen vom langen Atem der Leidenschaft für eine Kultur des Friedens
  • Bittgottesdienst für den Frieden 2018: Krieg 3.0

 

 

Aus der Arbeit der EAK

Studientag „Kriege beenden – Frieden beginnen. 100 Jahre Ende Erster Weltkrieg: Erinnern für die Zukunft“

Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) laden in Kooperation mit der Evangelischen Akademie zu Berlin herzlich zum Studientag „Kriege beenden – Frieden beginnen. 100 Jahre Ende Erster Weltkrieg: Erinnern für die Zukunft“ am Mittwoch, den 10. Oktober 2018, nach Berlin ein.

 

Verleihung des "Friedrich Siegmund-Schultze Förderpreises für gewaltfreies Handeln"

Die Evangelische Arbeisgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) laden Sie herzlich zur Verleihung des Friedrich Siegmund-Schultze Förderpreises für gewaltfreies Handeln am Dienstag, dem 09. Oktober 2018 nach Berlin ein.

 

 

Wissenswertes

Brahms: Deutschland soll Atomwaffenverbotsvertrag beitreten

Bei einer Mahnwache zu den Jahrestagen der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki  in Bremen hat der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Pastor Renke Brahms, die Bundesregierung aufgefordert, dem im vergangenen Jahr beschlossenen UN-Atomwaffenverbotsvertrag beizutreten. Denn aus christlicher Sicht gebe es keine friedensethische Legitimation für Atomwaffen, so der Leitende Geistliche der Bremischen Evangelischen Kirche. Dabei regte er an, dass Bremen gemeinsam mit Rheinland-Pfalz eine entsprechende Bundesratsinitiative starten könnten.

 

Wirken getragen vom langen Atem der Leidenschaft für eine Kultur des Friedens

In Bremen haben sich viele Menschen bei einer Gedenkfeier von Ludwig Baumann verabschiedet. Der Mitbegründer der Bundesvereinigung Opfer  der NS-Militärjustiz und letzter überlebende Wehrmachtsdeserteur war am 5. Juli im Alter von 96 Jahren verstorben. Friedhelm Schneider, der Vorsitzende des Europäischen Büros für Kriegsdienstverweigerung, würdigte dabei den Verstorbenen als einen Menschen, dessen Wirken getragen war vom langen Atem seiner Leidenschaft für eine Kultur des Friedens.

 

Veröffentlichungen

Bittgottesdienst für den Frieden 2018: Krieg 3.0

Unter dem Titel "Krieg 3.0“ ist das Begleitmaterial zum diesjährigen Bittgottesdienst für den Frieden erschienen. Der wird jeweils zur Ökumenischen FriedensDekade gefeiert, einer Gebetszeit, die jährlich in den zehn Tagen vor dem Buß- und Bettag stattfindet.

 

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