EAK Rundbrief Februar 2018

Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR) auf dem Weg zur Kirche des gerechten Friedens (Gastkommentar)

Mit diesem Ziel hat die Landessynode 2018 am 11. Januar einen Impuls zur Eröffnung eines friedensethischen Diskurses anlässlich des Endes des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren beschlossen. Der dreizehn-seitige Text positioniert die EKiR friedenstheologisch, friedensethisch und politisch-praktisch bei der Gewaltfreiheit. (www.ekir.de/Landeskirche/Landessynode/Landessynode2018, Beschluss 28)

Leitend auf dem Weg zu einer Kirche des gerechten Friedens ist die theologische Begründung der Entscheidung für die prima ratio der Gewaltfreiheit: „Mit Blick auf das Reich Gottes wollen wir uns aber an die prima ratio der Gewaltfreiheit halten und die Unerlöstheit der Welt nicht missbrauchen, um Gewalt und Krieg zu legitimieren. Dabei unterscheiden wir zwischen „power“, demokratisch legaler Gewalt, z.B. der Polizei und des Militärs in eng begrenzten Ausnahmesituationen, und „violence“, der zerstörerischen und ethisch nicht gerechtfertigten Gewalt. Die Verantwortung „in der noch nicht erlösten Welt“ (Barmen V) fordert uns heraus, zu zeigen, wie wir an der in Jesus Christus geschehenen Erlösung, an die wir glauben, schon teilhaben. Es wäre „billige Gnade“, den Gebrauch unerlöster Mittel und unerlöstes Handeln mit der V. Barmer These zu entschuldigen und zu rechtfertigen. Wir haben die Erlösung zu bezeugen, wenn wir sie nicht leugnen wollen.“

Friedensethisch schlägt sich das nieder in dem Vorsatz: „Kirche des gerechten Friedens sein bedeutet, Krieg und kriegerische Mittel als Möglichkeit der Konfliktlösung, als „ultima ratio“, zu überwinden, Schritt für Schritt. Gewaltfreie Lösungen sind möglich. Sie sind schmerzhaft, weil sie eigene, besonders wirtschaftliche, Interessen berühren. Sie sind langwierig und müssen mühsam gelernt werden. Sie sind aber die Lösungen, die sich als roter Faden durch die Bibel ziehen und biblisch geboten sind.“

Für die Friedenspraxis, für die die EKiR konsequent in Kirche, Staat und Gesellschaft angesichts vielfältiger Bedrohungen eintreten möchte, sind die Auseinandersetzungen zu Rüstungsexporten, zu den Atomwaffen, zur Militarisierung, zu  Menschen auf der Flucht, zur Friedenserziehung, Konflikttransformation und zur Kriegsdienstverweigerung. Weil auf dem Gebiet der EKiR in Büchel/Eifel Atomwaffen liegen, ist deren Abzug eine vorrangige Forderung: „Wir nehmen wahr, dass auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche im Rheinland die letzten Atomwaffen in Deutschland lagern, die jetzt modernisiert werden. Damit sinkt die Hemmschwelle für den Einsatz dieser Waffen. Wir bekennen, dass die Drohung mit atomaren, aber auch chemischen und biologischen Massenvernichtungswaffen nicht mehr als Mittel legitimer Selbstverteidigung angesehen werden kann. Im Vertrauen auf Gottes Frieden wollen wir uns nicht länger von solchen Waffen umgeben, schützen und gefährden lassen. Wir billigen gewaltfreie Aktionen des Protestes gegen Atomwaffen in Büchel. Wir fordern:

  • den längst überfälligen Abzug statt der Modernisierung der Atomwaffen in Büchel und der anderen ca. 160 Atomwaffen in Europa. Wir fordern die Bundesregierung auf, den Atomwaffenverbotsvertrag, den 122 Staaten der Vereinten Nationen am 7. Juli 2017 völkerrechtlich verbindlich beschlossen haben, zu unterzeichnen.“

Zum weiteren Verfahren bittet die Landessynode die Kirchengemeinden, Kirchenkreise und die Landeskirche darum, Rückmeldungen zu ihren Diskussionen zu geben. Die Ergebnisse dieser Rückmeldungen sollen der Landessynode 2021 zur Beratung vorgelegt werden.

Die Positionen der Evangelischen Kirche im Rheinland erfordern viel Arbeit. Sie kontrastieren sehr stark denen der meisten politischen Parteien und bieten auch viel Stoff für kircheninterne Diskussionen.

Ulrich Frey, AG Frieden der Evangelischen Kirche im Rheinland (Kontakt: ulrich.frey [at] web.de)

 

Inhaltsverzeichnis

  • EAK begrüßt Anerkennung von Kriegsdienstverweigerern aus Syrien als Flüchtlinge
  • EAK kritisiert scharf den Prozess gegen Ruslan Kotsaba in der Ukraine
  • Kirchen können für Entschärfung des Russland-Ukraine-Konflikts einen Beitrag leisten
  • Brahms: Friedensthemen und Friedensfragen sind zu einem wichtigen Thema der evangelischen Kirche geworden
  • Renke Brahms: Deutschland darf zu türkischem Militäreinsatz nicht schweigen
  • Mut zum Frieden - Erklärung der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland zum Ende des Ersten Weltkriegs 1918
  • Zentrales Motiv für FriedensDekade 2018 ausgewählt
  • Die wichtige Rolle der Pfarrerschaft in der Friedensbewegung in Württemberg
  • Café #Friedenswege zeigte Vielfalt der evangelischen Friedensarbeit
  • EKD-Konferenz für Friedensarbeit trifft sich in Loccum
  • Als Pfarrer Menschen zur Seite gestanden, die den Dienst mit der Waffe ablehnten
  • Tveit auf dem Weltwirtschaftsforum: „Sagen Sie Nein zu Atomwaffen!“
  • AGDF: Rüstungsexporte in die Türkei sofort stoppen
     

EAK relevante Meldungen/Aus der Arbeit der EAK

EAK begrüßt Anerkennung von Kriegsdienstverweigerern aus Syrien als Flüchtlinge

(13.02.2018) Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) hat eine Entscheidung des sächsischen Oberverwaltungsgerichts Bautzen begrüßt, wonach Syrern, die in ihrem Land den Wehrdienst verweigert haben und nun in Deutschland Schutz suchen, der Flüchtlingsstatus zuzuerkennen ist, da ihnen in ihrer Heimat eine politische Verfolgung drohe.

EAK kritisiert scharf den Prozess gegen Ruslan Kotsaba in der Ukraine

(03.03.2018) Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK)) hat den erneuten Strafprozess gegen den ukrainischen Journalisten und Friedensaktivisten Ruslan Kotsaba scharf kritisiert. Angeklagt ist der Journalist, weil er vor drei Jahren einen Aufruf an alle Ukrainer veröffentlicht hat, in dem er seine Landsleute dazu aufruft, sich dem Bürgerkrieg entgegenzustellen und den Wehrdienst zu verweigern.

 

Wissenswertes

Kirchen können für Entschärfung des Russland-Ukraine-Konflikts einen Beitrag leisten

(04.02.2018) Das Gespräch suchen, Räume für einen Dialog schaffen, Vertrauen bilden, aber auch sich gegenseitig zuhören und wahrnehmen, das könnten Wege sein, die Russland-Ukraine-Konflikt zu entschärfen. Davon zeigt sich Renke Brahms, der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), überzeugt. Dabei könnten und sollten seiner Auffassung nach die Kirchen eine wichtige Rolle spielen. „Wir müssen Betroffene zu Beteiligte machen“, meinte er in Loccum bei der Studientagung der evangelischen Friedensarbeit.

Brahms: Friedensthemen und Friedensfragen sind zu einem wichtigen Thema der evangelischen Kirche geworden

(05.02.2018) Friedensthemen und die Friedensarbeit sind in der evangelischen Kirche zu einem auch in der Öffentlichkeit deutlich wahrnehmbaren Thema geworden. Dies unterstrich die Konferenz für Friedensarbeit im Raum der EKD, die in Loccum zu ihrer jährlichen Tagung zusammen kam.

Renke Brahms: Deutschland darf zu türkischem Militäreinsatz nicht schweigen

(04.02.2018) Der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Renke Brahms, hat die Bundesregierung aufgefordert, deutlich gegen den völkerrechtswidrigen Einmarsch der Türkei in kurdisches Gebiet in Syrien Position zu beziehen und dies auch im Nordatlantikrat der NATO zum Ausdruck zu bringen.

Mut zum Frieden - Erklärung der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland zum Ende des Ersten Weltkriegs 1918

Wenn ein Krieg endet, heißt das nicht, dass damit der Frieden begonnen hat. Das ist eine Lehre aus dem Ersten Weltkrieg. Zwar zeigte dieser Krieg ein bis heute erschreckendes Maß an Grausamkeit und Entmenschlichung, jedoch war das erst der Auftakt einer modernen Kriegsführung, deren Spur enthemmter Gewalt sich durch das gesamte 20. Jahrhundert ziehen sollte.

Zentrales Motiv für FriedensDekade 2018 ausgewählt

(02.02.2018) Das diesjährige zentrale Plakatmotiv der Ökumenischen FriedensDekade steht fest. Im Rahmen eines bundesweit ausgeschriebenen Plakatwettbewerbs entfiel nun die Auswahl auf den Entwurf von Michaele Gruchot aus Berlin.

Die wichtige Rolle der Pfarrerschaft in der Friedensbewegung in Württemberg

Württemberg war in den 1980er Jahren ein Kristallisationspunkt der Friedensbewegung. Mutlangen, Heilbronn, Großengstingen und Neu-Ulm standen für die vielfältigen Proteste und Demonstrationen gegen die geplante Stationierung der amerikanischen  Pershing II-Raketen. Blockaden, Friedensdemonstrationen, eine Menschenkette zwischen Stuttgart und Neu-Ulm bestimmten das Bild. Pfarrerinnen und Pfarrer spielten dabei eine wichtige Rolle. Dies zeigt ein Aufsatz von Ulrich Schmitthenner, der in einem aktuellen Sammelband zur Geschichte der württembergischen Pfarrerschaft erschienen ist.

Café #Friedenswege zeigte Vielfalt der evangelischen Friedensarbeit

(01.02.2018) Es war sicher eins der umstrittenen Projekte der evangelischen Friedensarbeit im Reformationsjubiläum, das Café #Friedenswege im Rahmen der Weltausstellung Reformation in Wittenberg. Hier hatten sich die Konferenz für Friedensarbeit im Raum der EKD, die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK), die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) und die Evangelische Seelsorge in der Bundeswehr entschlossen, sich gemeinsam für das Thema Frieden stark zu machen und zukunftsweisende Impulse zu setzen.

EKD-Konferenz für Friedensarbeit trifft sich in Loccum

(29.01.2018) Der Rückblick auf das Reformationsjubiläum, die aktuellen Prozesse in den Landeskirchen auf dem Weg zu einer Kirche des gerechten Friedens und der Blick auf das Schwerpunktthema Frieden bei der EKD-Synode 2019 stehen im Mittelpunkt der neunten Konferenz für Friedensarbeit im Raum der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die am 4. und 5. Februar in der Evangelischen Akademie in Loccum zusammenkommt.

Als Pfarrer Menschen zur Seite gestanden, die den Dienst mit der Waffe ablehnten

(24.01.2018) Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) trauert um Dr. Peter Schicketanz, der vor wenigen Tagen im Alter von 86 Jahren verstorben ist. Der evangelische Pfarrer setzte sich über Jahrzehnte hinweg für die Bausoldaten in der Nationalen Volksarmee der DDR ein, ebenso aber auch für eine Seelsorge an Wehrpflichtigen in der DDR. „Peter Schicketanz stand als Pfarrer immer wieder Menschen zur Seite, die aus ihrem Gewissen heraus den Dienst mit der Waffe ablehnten.

Tveit auf dem Weltwirtschaftsforum: „Sagen Sie Nein zu Atomwaffen!“

(24.01.2018) In seiner Botschaft an das Weltwirtschaftsforum hat der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, Pastor Dr. Olav Fykse Tveit, verdeutlicht, dass es für ihn kaum eine größere Antithese zur Vision von einem gemeinsamen Leben und einer geteilten Verantwortung geben könne als die fortdauernde Existenz von Nuklearwaffen und deren Unterstützung durch Politik und Gesellschaft.

AGDF: Rüstungsexporte in die Türkei sofort stoppen

(22.01.2018) Nach der Ankündigung der Bundesregierung, Waffenlieferungen in Länder zu stoppen, die am Jemen-Krieg beteiligt sind, hält es die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) für angebracht, auch die deutschen Rüstungsexporte an die Türkei wegen ihrer Kriegsbeteiligung in Syrien umgehend einzustellen. „Es kann nicht angehen, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird.
 

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