EAK Rundbrief Juli 2018

„Ohne Aufrüstung geht es nicht.“ „Das kostet am Ende wahrscheinlich deutlich mehr als  zwei Prozent vom deutschen Wohlstand.“ „Sie (die Ausstattung der NATO mit diesen Mitteln) ist nötig als Versicherung gegen Russland, das sich wieder als strategischer Gegner des Westens begreift.“

So das Fazit  von Jörg Lau in seinem Leitartikel auf der ersten Seite der „Zeit“ vom 5. Juli unter dem Titel „Trumps Sprengsatz“.  Beschreibt er hier schon einen politischen Konsens? Frau Merkel äußerte sich zur Vorbereitung des NATO – Gipfels ähnlich. Und wenn ja, was können wir dagegen noch tun? Zunächst für Klarstellung sorgen - wovon sprechen wir? Der bisherige Verteidigungshaushalt wurde schon deutlich erhöht und wird es in den nächsten Jahren  kontinuierlich weiter. Dies ist schon beschlossen. Die jetzigen ca. 40000 Millionen entsprechen ca. 1.2 Prozent den Bruttoinlandprodukts (BIP), bei zwei Prozent sprechen wir also von ca. 65000 Millionen und dies in einem jährlichen Haushalt! Dies wären fast 20 % des aktuellen Haushalts und ungefähr die Summe, die Russland in 2017 für seinen Verteidigungshaushalt ausgegeben hat (66,7 Milliarden, Quelle SIPRI). Nach Trump und Jörg Lau müssten natürlich auch noch weitere Länder in Europa ihre Militärhaushalte entsprechend erhöhen.

Zusätzlich hat die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag eigentlich festgelegt, dass die Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit und zivile Friedensarbeit in einem gleichen Prozentsatz wie die Verteidigungsausgaben wachsen sollten, wovon aktuell aber nichts zu hören ist. Selbst bei der sehr guten wirtschaftlichen Lage in Deutschland, ist dies nicht zu finanzieren. Es sei denn man kürzt an anderen Stellen massiv und setzt Zukunftsprojekte wie die Förderung der Bildung, der Digitalisierung, des Wohnungsbau, der Pflege usw. nicht um. Ganz zu schweigen davon, dass wirkliche Zukunftsfragen ernsthaft angefasst werden, wie die Klimakatastrophe, die schwindende Biodiversität, die Fluchtursachen, die Beendung der Kriege und ein gerechtes Weltwirtschaftssystem.

Ich stimme des Analyse von Jörg Lau soweit zu, wenn er schreibt: „Als globale Interventionsmacht ist ihre (die der Nato) Bilanz von Libyen bis Afghanistan schlecht.“ Aber ist all diese Aufrüstung wirklich nötig, einzig als „Versicherung gegen Russland“? Müsste dann nicht alle Energie investiert werden, um mit Russland wieder in ein anderes Einvernehmen zu finden? Und geht wirklich so eine massive Bedrohung von einem Land aus in dem Deutschland eigentlich Fußballweltmeister werden wollte und jüngst noch Olympiasiege gefeiert hat? Dies soll die teils katastrophale und menschenverachtende Politik Russlands nicht relativieren und dennoch ist hier nach dem rechten Maß zu fragen und zu fragen, ob nicht ganz andere Interessen hinter dieser massiven Aufrüstung stehen. Die Interessen, die es fast immer sind: wirtschaftliche und machtstrategische.

Ist dieser Irrsinn noch zu stoppen? Ich weiß es nicht, aber er muss. Wenn Sie Möglichkeiten haben, darauf in Leserbriefen, in den Sozialen Medien oder welche Ansätze sie sehen, aufmerksam zu machen, hielte ich das für einen zwar kleinen Ansatz, aber einen den wir haben.

Trotz allem wünsche ich noch einen guten Sommer.
Lutz Krügener, Ev.-Lutherische Landeskirche Hannover, EAK Vorstand

 

Inhaltsverzeichnis

  • Südkorea: Verfassungsgericht erkennt Kriegsdienstverweigerung an
  • Nachruf auf Ludwig Baumann Unermüdliches Engagement für die Anerkennung der Deserteure
  • Evangelische Friedensarbeit würdigt Engagement von Ludwig Baumann gegen NS-Unrecht
  • Eindrucksvolles Zeichen für eine atomwaffenfreie Welt
  • „Christen werden sich keinesfalls an atomare Abschreckung gewöhnen“
  • Symbolträchtiges Logo beim kirchlichen Protest in Büchel
  • Zeichen setzen für ein Verbot von Atomwaffen
  • Europaweites Glockengeläut am Weltfriedenstag 21. September 2018
  • Familienfest mit Waffen - Friedensaktivisten organisierten Mahnwache gegen "Tag der Bundeswehr" in Dresden

 

Kriegsdienstverweigerung (KDV)

Südkorea: Verfassungsgericht erkennt Kriegsdienstverweigerung an

Am 28. Juni 2018 hat das Verfassungsgericht von Südkorea das Recht auf Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen anerkannt und die Regierung aufgefordert, bis Ende 2019 eine gesetzliche Regelung zu treffen, die Kriegsdienstverweigerern einen zivilen Alternativdienst ermöglicht.
 

 

Wissenswertes

Nachruf auf Ludwig Baumann Unermüdliches Engagement für die Anerkennung der Deserteure

(06.07.2018) Gestern starb Ludwig Baumann, Deserteur des II. Weltkrieges, im 97. Lebensjahr. Seit Jahrzehnten setzte er sich gemeinsam mit anderen Deserteuren seiner Zeit für die volle Rehabilitierung der von der NS-Justiz als Wehrkraftzersetzer und Verräter gebrandmarkten Menschen ein, die sich damals gegen das Unrechtsregime wandten. Er war Motor einer Bewegung, die an den verschiedensten Orten Deutschlands und Österreichs mit Deserteursdenkmälern eine wichtige Debatte über die Rolle der Wehrmacht im Nationalsozialismus, die Bedeutung der Desertion und Kriegsdienstverweigerung anstieß.

 

Bausoldaten Bildungsmaterial

In der Broschüre der Arbeitsstelle Ökumene – Menschenrechte – Flucht – Friedensbildung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland ist das umfangreiche Material der sechs Interviews aus dem Film aufgearbeitet worden. Vier weitere Perspektiven sind dazugekommen: die einer Ehefrau eines ehemaligen Bausoldaten, die eines Totalverweigerers, die eines ehemaligen Bausoldaten mit einem eher nicht akademisch und nicht kirchlichen Hintergrund und von einem Bausoldaten aus der Wendezeit.

 

Evangelische Friedensarbeit würdigt Engagement von Ludwig Baumann gegen NS-Unrecht

Die evangelische Friedensarbeit hat den Vorsitzenden des Bundesverbands für die Opfer der NS-Militärjustiz, Ludwig Baumann, für sein unermüdliches und langjähriges Engagement für die Annullierung der Urteile der NS-Militärgerichte, aber auch für sein Eintreten für Gewissensfreiheit, Kriegsdienstverweigerung und Gewaltfreiheit gewürdigt. Ludwig Baumann ist am 5. Juli im Alter von 96 Jahren in Bremen verstorben.

 

Eindrucksvolles Zeichen für eine atomwaffenfreie Welt

Es war ein eindrucksvolles und Mut machendes Zeichen von vielen Christinnen und Christen für eine atomwaffenfreie Welt. Genau ein Jahr nach der Unterzeichnung des UN-Atomwaffenverbotsvertrags waren mehr als 500 Menschen in die Eifel an den Bundeswehr-Fliegerhorst Büchel gekommen, um einen Gottesdienst zu feiern, aber auch, um ein Signal an die Bundesregierung zu senden, diesen Vertrag ebenfalls zu unterzeichnen.

 

„Christen werden sich keinesfalls an atomare Abschreckung gewöhnen“

„Es gibt keinen Weg zum Frieden auf dem Weg der Sicherheit. Denn Friede muss gewagt werden …“ Mit Sätzen des Theologen Dietrich Bonhoeffer stellt sich Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, an die Seite derjenigen, die den kirchlichen Aktionstag gegen Atomwaffen am 7. Juli 2018 am Fliegerhorst Büchel in der Eifel unterstützen.

 

Symbolträchtiges Logo beim kirchlichen Protest in Büchel

Sie waren damals ein unübersehbares Symbol des christlichen Protestes gegen die Stationierung von atomaren Mittelstreckenwaffen in Europa, die lila Tücher mit dem Schriftzug „Umkehr zum Leben – Die Zeit ist da für ein Nein ohne jedes Ja zu Massenvernichtungswaffen“ und der Kirche, die die Atombombe abweist. Beim Deutschen Evangelischen Kirchentag 1983 in Hannover tauchten beim Abschlussgottesdienst die Tücher das Niedersachsenstadion in ein lila Meer, auch danach trugen Menschen das Tuch als Ausdruck des Widerstandes gegen die nukleare Aufrüstung. 

 

Zeichen setzen für ein Verbot von Atomwaffen

Am Samstag, 7. Juli, wollen Christinnen und Christen aus mehreren Landeskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland, aber auch aus der katholischen Friedensorganisation Pax Christi, in Büchel am dortigen Bundeswehr-Fliegerhorst ein Zeichen setzen für den Abzug und das Verbot von Atomwaffen.

 

Europaweites Glockengeläut am Weltfriedenstag 21. September 2018

In diesem Jahr wird mit vielfältigen Aktionen das „Europäische Kulturerbejahr – Sharing Heritage“ begangen. Ein prägendes Kulturelement in Europa sind Glocken. In Kirchen und Rathäusern, auf Friedhöfen und an Gedenkorten sind sie ein hör- und sichtbares Zeichen des europäischen Wertefundaments. So kamen die Veranstalten des Kulturerbejahres auf die Idee, alle Glockeneigentümer Europas unter dem Motto „FRIEDE SEI IHR ERST GELÄUTE“ am Internationalen Friedenstag, dem 21. September 2018 von 18:00-18:15 Uhr Mitteleuropäischer Zeit zu einem Europaweiten Glockenläuten einzuladen.

 

Familienfest mit Waffen - Friedensaktivisten organisierten Mahnwache gegen "Tag der Bundeswehr" in Dresden

Mit einer Mahnwache und einem Gedenken an Kriegsdienstverweigerer haben und 30 christliche Friedensaktivisten gegen den "Tag der Bundeswehr" am 9. Juni in Dresden protestiert. Die Truppe in einer Art Familienfest oder Outdoormesse mit Waffen zu präsentieren, sei nicht akzeptabel, sagte Annelie Möller, die neue Friedensreferentin des Ökumenischen Informationszentrums Dresden (ÖIZ). "Wir sehen darin eine gefährliche Manipulation von Minderjährigen." Diese könnten die Tragweite der Entscheidung für oder gegen die Bundeswehr noch nicht abschätzen.

 

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