EAK-Rundbrief März 2018

Inhaltsverzeichnis

  • Vorwort: Mut zum Frieden
  • EAK: Pazifistische Stimme in der Kirche ist erforderlich
  • KDV International:Türkischer Wehrpflichtiger desertiert, um nicht an der Offensive in Afrin teilnehmen zu müssen
  • Stellenausschreibung: Referenten/in für interreligiösen Dialog und Themen der Zivilgesellschaft
  • Friedensdekade: Uwe Steimle kein Schirmherr der Ökumenischen FriedensDekade 2018 - Das Gesprächsforum beendet die Zusammenarbeit mit dem Dresdener Schauspieler und Kabarettisten
  • Friedensdekade: Uwe Steimle Schirmherr der Ökumenischen FriedensDekade 2018

 

Vorwort

„Mut zum Frieden“

Erklärung der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland zum Ende des Ersten Weltkriegs 1918

Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland hat zum einhundertsten Jahrestag der Beendigung des Ersten Weltkriegs die Erklärung „Mut zum Frieden“ beschlossen. Sie wurde in der Februar-Ausgabe 2018 der Kirchenzeitschrift „Adventisten heute“ veröffentlicht. Die Freikirchenleitung empfiehlt in der Erklärung ihren Mitgliedern, sich weder direkt noch indirekt an einem Krieg zu beteiligen.

Mit der Erfahrung „Wenn ein Krieg endet, heißt das nicht, dass damit der Frieden begonnen hat“, leitet die Erklärung ein. Das sei eine Lehre aus dem Ersten Weltkrieg, der erst der Auftakt einer modernen Kriegsführung gewesen sei. Heute habe sich die Art und Weise, wie Kriege geführt würden, durch Cyberkrieg, Drohnenangriffe, autonome Waffensysteme, Bedrohung durch ABC-Waffen und weltweitem Terrorismus noch einmal drastisch verändert. Dabei seien die Konfliktlinien und Kriegsparteien oft nicht mehr eindeutig auszumachen.

Kein gerechter Krieg

Im Gedenken an die Beendigung des Ersten Weltkriegs am 11. November 1918 und in Wahrnehmung der neuen Gefährdungspotentiale wolle die deutsche Freikirchenleitung, wie schon in ihrer Stellungnahme „Schuld und Versagen“ von 2014, an ihre christlich-adventistische Haltung erinnern. Dabei gelte zu bedenken, dass Krieg nicht gerecht sei. „Hinter jedem militärischen Konflikt stecken offene und versteckte Interessen, die nicht vom reinen Streben nach Gerechtigkeit getrieben sind.“ Das Schicksal der Menschen in Konfliktgebieten sei häufig zweitrangig. Deshalb hätten bereits im Dezember 1983 die Ausschüsse des damaligen Westdeutschen und des Süddeutschen Verbandes der Adventisten betont: „Wir lehnen heute Krieg in jeder Form ab.“ Krieg und Bedrohung schürten Angst und führten immer wieder zu einer neuen Aufrüstungsspirale, sodass der Friede ständig bedroht sei. Aber auch ein übersteigerter Nationalismus mit aggressiver Abgrenzung von anderen Nationen schüre Angst und bedrohe den Frieden. Zudem sei die industrielle Fertigung von Kriegsmitteln ein Wirtschaftsfaktor.

Botschafter des Friedens und der Versöhnung

„Jesus Christus hat seine Nachfolger zu Friedensstiftern berufen“, wird in der Erklärung hervorgehoben. Wo Menschen im Frieden mit Gott lebten, suchten sie auch den Frieden mit Menschen; denn der Friede sei unteilbar und durchdringe alle Lebensbereiche. Deshalb heiße es auch in der Erklärung der deutschen Freikirchenleitung von 2014 zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren: „Wir glauben, dass Nachfolger Jesu den Aussagen der Heiligen Schrift am besten Folge leisten, wenn sie in ihrer Umgebung als Botschafter des Friedens und der Versöhnung wirken.“

Kein freiwilliger Dienst in der Bundeswehr

Daher empfiehlt die Freikirchenleitung ihren Mitgliedern sowie den Mitgliedern der Adventjugend, „sich weder direkt an einem Krieg im Rahmen des freiwilligen Dienstes in der Bundeswehr noch indirekt bei der Vorbereitung eines Kriegs durch Mitwirkung an der Waffen- und Zubehörproduktion sowie an der Informationstechnik zu beteiligen.“ Seit Aussetzung der Wehrpflicht in Deutschland im Jahr 2011 biete die Bundeswehr Anreize, sich freiwillig für die Streitkräfte zu verpflichten, etwa eine Berufsausbildung oder ein Studium. Trotzdem „ermutigt unsere Kirche aufgrund des nichtkämpferischen Grundgedankens der Bibel … niemanden, sich dem Militär anzuschließen“, wird der Präsident der adventistischen Generalkonferenz (Weltkirchenleitung), Pastor Ted N. C. Wilson, zitiert. Er macht darauf aufmerksam, dass die Siebenten-Tags-Adventisten „ihr historisches Zeugnis für den Frieden und den Dienst ohne Waffen“ seit ihrem Bestehen nicht aufgegeben hätten.

Friedensstifter beginnen im eigenen Umfeld

„Frieden zu stiften fängt in den menschlichen Beziehungen des eigenen Umfelds an und setzt sich von dort fort bis in gesellschaftspolitische Verantwortungsübernahme“, so die deutsche Freikirchenleitung in ihrer Erklärung. Zum Frieden beitragen könne daher auch der Einsatz für die Religionsfreiheit, Armutsbekämpfung durch Bildung, Erhaltung der Gesundheit durch Krankenhäuser und Gesundheitsaufklärung, Unterstützung von Lebensqualität durch die Arbeit der Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfe (ADRA) sowie des Advent-Wohlfahrtswerks (AWW). Versöhnung, Vergebung, Frieden und Gerechtigkeit würden nur auf dem Boden einer gewaltfreien Lebensart gedeihen; so, wie es Jesus Christus, in seinem Leben und Sterben vorgelebt habe. Deshalb werden die Mitglieder der Freikirche aufgefordert, ihre Verantwortung in dieser Welt gewaltfrei auszuüben. Da Adventisten glauben, dass mit Jesu Wiederkunft das Friedensreich Gottes „auf uns zukommt“, sollten sie diesem Friedensreich schon heute durch ihr Verhalten entgegengehen.

Ein fast einstimmiger Beschluss

Die Erklärung „Mut zum Frieden“ wurde während der Jahressitzung des Ausschusses der adventistischen Freikirche in Deutschland am 4. Dezember 2017 in Altena/Westfalen mit einer Gegenstimme* von den 51 anwesenden stimmberechtigten Mitgliedern beschlossen und zur Veröffentlichung freigegeben. Vorsitzender des Ausschusses ist Pastor Werner Dullinger (Ostfildern bei Stuttgart), Präsident des Süddeutschen Verbandes, und Stellvertretender Vorsitzender Pastor Johannes Naether (Hannover), Präsident des Norddeutschen Verbandes der Freikirche. Stimmberechtigte Mitglieder des Ausschusses sind die Mitglieder der beiden Verbandsausschüsse. In Deutschland gibt es rund 35.000 erwachsen getaufte Siebenten-Tags-Adventisten in 558 Kirchengemeinden.

(*Anmerkung: Das Ausschussmitglied, welches mit Nein stimmte, war mit dem Inhalt der Erklärung völlig einverstanden, hätte sich aber eine andere Gliederung der Stellungnahme gewünscht. Da die Person ihr Anliegen erst unmittelbar vor der Abstimmung vorbrachte, konnte es nicht mehr berücksichtigt werden.)

Die Erklärung „Mut zum Frieden“ kann im Internet unter http://www.adventisten.de/fileadmin/bilder/allgemein/2017-12-04_Mut_zum_Frieden.pdf  heruntergeladen werden.

 

Holger Teubert, Leiter des Referats Kriegsdienstverweigerung und Frieden der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland; Vertreter der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) in der Mitgliederversammlung und im Vorstand der EAK.

 

EAK: Pazifistische Stimme in der Kirche ist erforderlich

Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) will künftig verstärkt die vielfältigen Aktivitäten in der Friedensarbeit in den Landes- und Freikirchen in den Blick nehmen und Möglichkeiten des Erfahrungsaustausches zwischen den Akteureninnerhalb der EKD und der Freikirchen schaffen. Dies beschloss die EAKMitgliederversammlung in Frankfurt/Main und folgte damit einemVorschlag des EAK-Vorstandes.

Türkischer Wehrpflichtiger desertiert, um nicht an der Offensive in Afrin teilnehmen zu müssen

(01.03.2018) Die kurdische Nachrichtenagentur ANF berichtet, dass der türkische Wehrpflichtige Ahmet Alcan kurz bevor er von der türkischen Armee in den Einsatz nach Afrin geschickt werden sollte, desertierte. Wie die Nachrichtenagentur schreibt, bezeichnet sich Alcan selbst als Kriegsgegner und wird folgendermaßen zitiert: „Ich bin der Stimme meines Gewissens gefolgt. Ich rufe die gesamte Jugend auf, von ihrem Recht auf Kriegsdienstverweigerung Gebrauch zu machen. Um Frieden zu schaffen, müssen alle die Waffen niederlegen.

Ausschreibung: Referenten/in für interreligiösen Dialog und Themen der Zivilgesellschaft

Gesucht wird eine Persönlichkeit mit Interesse an gesellschaftlichen Fragestellungen sowie
an Menschen unterschiedlicher kultureller und religiöser Herkunft. Sie soll imstande sein, die
Tätigkeitsfelder „Interreligiöser Dialog“ und „Gesellschaftsthemen“ in der Stiftung Weltethos
zu betreuen und weiter zu entwickeln.

Uwe Steimle kein Schirmherr der Ökumenischen FriedensDekade 2018 - Das Gesprächsforum beendet die Zusammenarbeit mit dem Dresdener Schauspieler und Kabarettisten

Bonn, 28.02. In einer Pressemitteilung vom 23. Februar gab die Ökumenische FriedensDekade die Übernahme der diesjährigen Schirmherrschaft durch den Kabarettisten und Schauspieler Uwe Steimle aus Dresden bekannt. Diese Mitteilung führte zu einer Welle teilweise heftiger Kritik, besonders bei unseren sächsischen Partnerinnen und Partnern sowie bei Initiativen, die gegen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus arbeiten.

Uwe Steimle Schirmherr der Ökumenischen FriedensDekade 2018

(23.02.2018) Der Kabarettist und Schauspieler Uwe Steimle wird Schirmherr der Ökumenischen FriedensDekade für das Jahr 2018.

 „Sehr gerne bin ich Botschafter, des Friedens willen“, antwortete Uwe Steimle spontan auf die Anfrage für die Schirmherrschaft der Ökumenischen FriedensDekade 2018. Er folgt damit auf die Schirmherrin Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, die im Jahr 2017 die Schirmherrschaft übernommen hatte.