EAK Rundbrief September 2018

Liebe Leserinnen und Leser!

Wir haben viel vor. In wenigen Tagen stehen vor uns die Verleihung des Friedrich Siegmund-Schultze  Förderpreises für gewaltfreies Handeln als Evangelischer Friedenspreis 2018, der Studientag „Kriege beenden – Frieden beginnen“ und die Mitgliederversammlung der EAK. Dabei wird es auch um die Beratung und Weiterführung der Friedensarbeit in den Landeskirchen und in den spezifischen Arbeitsbereichen der EAK gehen. Dazu kommt die Wahl des Vorstands und der oder des neuen Vorsitzenden. Ich werde im Oktober die verantwortlichen Aufgaben im Vorstand bzw. des Vorsitzenden beenden. Damit ist Platz frei für Jüngere mit ihren Erfahrungen und frischen Ideen. Bis Dezember werde ich noch bis zur Neuwahl den Vorsitz im Verein für Friedensarbeit e.V. wahrnehmen. Damit verabschiede ich mich jedoch nicht aus der Friedensarbeit. Sie ist mein Lebensthema geworden. Nunmehr im Bereich des biblischen Alters („Ü 70“, vgl. Psalm 90,10)  werde ich regional das mittun, was altersentsprechend möglich ist.  

 

In Jahren seit 2012 ist  es gelungen, nach Aussetzen der Einberufung für den Wehrdienst und der damit verbundenen Beendigung der Aufgaben der EAK für Zivildienstleistende,  ein neues Profil der Arbeitsschwerpunkte der EAK gemeinsam zu entwickeln und auch das innere Gefüge der EAK neu zu formieren.  

Ich danke allen, die dazu beigetragen haben. Ich danke für alle Unterstützung bei unserer gemeinsamen Arbeit allen im näheren und weiteren Umfeld der EAK, die mit Kritik,  Vorschlägen und Mitgestaltung unsere Anliegen vorangebracht haben. Ich danke dem Team der EAK innerhalb der  gemeinsamen Geschäftsstelle in Bonn (seit 2009). Viele Personen haben sich mit unseren Aufgaben identifiziert und auch trotz äußerst problematischer Anstellungsbedingungen, die keine verbindlichen Zusagen für längere Zeit zuließen, mit wunderbarem persönlichen Einsatz engagiert – längerfristig oder in kürzeren Abschnitten als Praktikantinnen und Praktikanten, als Vertretung in Elternzeit für die Aufgaben der Referentenstelle und der Geschäftsführung. So konnte im Wechsel dennoch die kontinuierliche Arbeit fortgeführt werden. Ein besonderer Dank gilt dem Vorstand und der Mitgliederversammlung der EAK und allen, die uns mit juristischem und weiterem wissenschaftlichem Sachversand unterstützt haben. Als Stärke habe ich erlebt, dass es eine Gemeinschaftsaufgabe und ein Gemeinschaftswerk ist.

 

Ein zu Dankbarkeit verpflichtender Hinzugewinn ist in der gemeinsamen Geschäftsstelle in Bonn die räumliche und thematisch enge Zusammenarbeit mit der AGDF mit den jeweils spezifischen Zugängen, Arbeitsformen und Wirkungsmöglichkeiten. Wir gratulieren mit unseren nachbarschaftlichen Grüßen auch der jetzigen  AGDF und allen, die in früheren Jahren mitgearbeitet haben, zu dem in wenigen Tagen startenden Jubiläumsjahr  „50 Jahre aktiv für Frieden“.  

Zusammen gehören wir zu den festen Bestandteilen der Evangelischen Friedensarbeit im Raum der EKD mit allen, die in der Konferenz für Friedensarbeit unter dem Vorsitz des Friedensbeauftragten des Rates der EKD, Renke Brahms, miteinander verbunden sind.

In diesem weit gefächerten Rahmen sind wir als EAK mit der Unterstützung und wesentlicher Förderung unserer Arbeit durch die EKD besonders auf die Friedensarbeit in den Landes- und Freikirchen und auf Themen wie Friedenstheologie und Friedenspiritualität ausgerichtet, weiterhin auf die Fragen der Gewissensbildung und der KDV-Beratung in einer wirkungsvollen und belastbaren Struktur, die den jetzigen Bedingungen und den nationalen und internationalen Erfordernissen Rechnung trägt.

 

Es besteht also kein Anlass, dass ich einen wehmütigen Abgesang anstimme anstatt der Töne der Friedenshoffnung und Friedenzuversicht.  Unsere Friedensarbeit wird, wie ich es erfahren habe, durch die wechselnden Zeiten mit ihren scharfen Herausforderungen durch die Mitarbeit vieler Menschen und durch hohen persönlichen Einsatz für die uns anvertraute Friedensbotschaft getragen. Den Grundton und Leitton gibt dazu alles, was dem Begriff Friedensspiritualität zugeordnet wird, damit neben der Vernunft und gesundem Menschenverstand die Friedensbotschaft in unserem Inneren eine Resonanz findet, die unser Fühlen, Denken und Handeln prägt und ertüchtigt.

  

Vornan steht das Erschließen der biblischen Tradition mit ihren pazifistischen Impulsen, welche die  vorrangige Option für die Gewaltfreiheit begründen. Aber auch die Beschäftigung mit den schwierigen Aussagen der biblischen Überlieferung hilft zur Klärung und zur Konzentration auf die Friedensbotschaft Jesu, der die Mahnungen, Verheißung und den Friedenszuspruch der Prophetinnen und Propheten aufnimmt und weiterführt. Das bringt uns den Vorteil, dass wir nicht nur über die Aufgaben zu diskutieren haben, sondern uns den Friedensvorgaben zu unserer Ertüchtigung stellen und unterstellen.  

Friedensgebete und Friedenslieder, spontan zu Mahnwachen oder Kundgebungen des Friedenswillens sowie zu regelmäßigen Zusammenkünften habe ich als Inspiration erlebt, die auch für Menschen Bedeutung erhalten kann, die aus welchen Gründen auch immer wenig oder keinen Zugang zum christlichen Glauben haben. Mir verhilft das persönliche und das gemeinsame Gebet zur inneren Klärung , wenn die verschiedenen Facetten des Friedens zusammentreffen: Das Gebet um inneren Frieden (auch als Aussöhnung mit der eigenen Biographie), das Gebet um Frieden mit Gott (auch angesichts der Verworrenheit und des zum Himmel schreienden Unrechts), und das Gebet für Frieden mit den Mitmenschen in der Nähe und in der Ferne angesichts der Kriege militärischer politischer und ökonomischer Art, in die ich verwickelt bin, schließlich das Gebet um Ausdauer, Widerständigkeit und Bereitschaft zum Protest anstatt der Lethargie oder des Tapsens in die Resignationsfalle.

Das Beispiel von Menschen jetzt und früher, denen die Friedensbotschaft und Friedenssehnsucht zu einer Kraftquelle zu politisch klarem und mutigem Handeln wurde und wird, ist für mich seit Jahren prägend geworden. 

Neben dem Aufruf zum Gebrauch der Vernunft und zu einem klaren Kopf wird nach meiner Erfahrung die Besinnung auf die Grundlagen der Friedensarbeit nachhaltig gefördert durch die Ausstrahlungskraft von Friedensorten. Sie entstehen spontan, wo Menschen um des Friedens willen zusammenkommen, zusammen stehen oder miteinander Friedenswege gehen, um ihr Ja zum Frieden und ihr Nein zum Krieg öffentlich zu machen. Uns erwarten Orte des Friedensgedenkens und Friedensgeschichte oder Orte der Mahnung angesichts des Terrors, der Gewalt oder der nicht endenden Kriegsgeschichte. So wird das Erinnern an Zurückliegendes und die Erinnerung an das für die Zukunft Notwendige auch zu einem spirituellen Störfaktor gegen die Gewöhnung an die Gewalt und die beständige Eskalation des Militärischen bis ins öffentliche Bewusstsein, wo doch eine Konversion von der Sicherheitslogik zu einer Friedenslogik angesagt sein muss. Solche Friedensorte wirken als Vorbereitungsräume für Gewaltlosigkeit aus einer inneren Friedensgesinnung, die Menschen in ihrem inneren Personenkern ergreift, prägt und mit anderen zusammenführt.

Die Besinnung auf die Grundlagen der Friedensgesinnung öffnet für das Gespräch mit Menschen anderer Konfessionen, Religionen und anderer Weltanschauungen über die Motive, Formen und Ziele des Friedensengagements. Die dabei hervortretenden Unterschiede, so habe ich es erlebt, können indes nicht verhindern, dass Gemeinsames ins Blickfeld tritt.

  

Warum füge ich diese nur fragmentarischen Bemerkungen an? Angesichts der aktuellen Herausforderungen für die Friedensarbeit gibt es im Rahmen der christlichen  Friedensspiritualität kontinuierliche Vorgaben zu entdecken: den Friedenszuspruch Gottes als Korrektiv und Leitperspektive, um darauf aufbauend an dem politikwirksam weiterzubauen, was nachhaltig dem Frieden dient. Meine Erfahrung in unterschiedlichen politischen Systemen mit je aktuellen Herausforderungen führte und führt mich immer wieder zu dem Zuspruch der Seligpreisung Jesu,  dass wir auch in günstigen und widrigen Verhältnissen und Situationen von Gottes Segen umschlossen sind: „Selig sind die Frieden schaffen, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“

 

Dazu mögen Sie meine guten Wünsche begleiten

Ihr Christoph Münchow

 

Inhaltsverzeichnis

  • Personalia EAK
  • Friedenskonsultation in Wittenberg
  • Kriegsdienstverweigerer trafen sich zu regem Gedanken- und Erfahrungsaustausch
  • Geht die Bundeswehr mit ihrer Werbung zur "Gamescom" zu weit?
  • AGDF: Minderjährige unbegleitete Flüchtlinge von der Kinder- und Jugendhilfe betreuen lassen
  • Liturgische Bausteine für den Weltfriedenstag am 21. September 2018 „FRIEDE SEI IHR ERST GELÄUT"
  • Zukunft: Gerechtigkeit, Frieden, Schöpfung?
  • Potsdamer Friedensdiskurs 2018: Friedensmacht Europa? (hat bereits stattgefunden)
  • Der Zukunft durch Abrüstung und zivile Friedenspolitik ein menschliches Gesicht geben Aufruf zur Unterzeichnung des Appells: Mehr fürs Militär? Nicht mit uns!
  • Didaktisches Begleitmaterial zum Film „Schwerter zu Spaten – Bausoldaten in der DDR

 

Aus der Arbeit der EAK

Personalia EAK

Wir begrüßen herzlich in unserem Team in der Geschäftsstelle in Bonn Maike Rolf und Max Weber, die sich die ReferentInnenstelle der EAK – als Elternzeitvertretung – teilen.
Herzlich Willkommen!

Bedanken möchten wir uns bei Michael Nann, Referent für den Friedensbeauftragten, der durch eine geringfügige Stellenaufstockung noch bis Ende Oktober während der Zeit der Vakanz der ReferentInnenstelle den Geschäftsbetrieb der EAK mit am Laufen hielt.
Danke für dieses Engagement!

Friedenskonsultation in Wittenberg

Vom 12.-14. September fand in Lutherstadt Wittenberg die Friedenskonsultation auf dem Weg zur EKD-Synode 2019 mit dem Schwerpunktthema „Frieden“ statt. Daran nahmen auch Mitglieder und Teile des Vorstands, zum Teil als Inputgeber*innen sowie Mitarbeitende in der Vorbereitungs- und Steuerungsgruppe, aktiv teil. Auch die Geschäftsstelle begleitete und unterstützte die Konsultation sowohl medial als auch vor Ort.

 

Kriegsdienstverweigerung

Kriegsdienstverweigerer trafen sich zu regem Gedanken- und Erfahrungsaustausch

Auf Initiative der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) trafen sich in Frankfurt am Main mehrere ehemalige Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten, die in ihrer Dienstzeit den Wehrdienst aus Gewissensgründen abgelehnt hatten und als Kriegsdienstverweigerer anerkannt wurden. Dabei ging es um einen Erfahrungs- und Gedankenaustausch, aber auch um ein Kennenlernen.

Geht die Bundeswehr mit ihrer Werbung zur "Gamescom" zu weit?

DOMRADIO Sendung: Der Tag, 24.08.2018
Die Bundeswehr nutzt die weltgrößte Videospielemesse Gamescom für umstrittenen Werbung. Noch bis Sonntag werden 350.000 Besucher erwartet.  Die Mittel der Nachwuchsgewinnung werden derzeit kontrovers diskutiert.

 

Wissenwertes

AGDF: Minderjährige unbegleitete Flüchtlinge von der Kinder- und Jugendhilfe betreuen lassen

Die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) hat die politisch Verantwortlichen dazu aufgerufen, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge weiterhin von der Kinder- und Jugendhilfe betreuen zu lassen und dies bei möglichen Gesetzesvorhaben nicht zu ändern. „"Es darf nicht dazu kommen, dass diese jungen Menschen, die vor Krieg, Gewalt, Verfolgung und Bedrohung geflohen sind, nun zum Spielball politischer Debatten werden"“, warnt Jan Gildemeister, der AGDF-Geschäftsführer.

Liturgische Bausteine für den Weltfriedenstag am 21. September 2018 „FRIEDE SEI IHR ERST GELÄUT"

In diesem Jahr wird mit vielfältigen Aktionen das „Europäische Kulturerbejahr – Sharing Heritage“ begangen. Ein prägendes Kulturelement in Europa sind Glocken. In Kirchen und Rathäusern, auf Friedhöfen und an Gedenkorten sind sie ein hör- und sichtbares Zeichen des europäischen Wertefundaments. Von den Veranstaltenden des Kulturerbejahres kommt die Anregung, alle Glockeneigentümer Europas unter dem Motto „FRIEDE SEI IHR ERST GELÄUTE“ am Internationalen Friedenstag, dem 21. September 2018, von 18:00-18:15 Uhr Mitteleuropäischer Zeit zu einem Europaweiten Glockenläuten einzuladen.

 

Veranstaltungen

Zukunft: Gerechtigkeit, Frieden, Schöpfung?

Das Ökumenische Forum soll aufzeigen, was die Zukunft der Erde und des Lebens gefährdet und welche Schritte notwendig sind. Es wird auch die Frage aufgreifen, ob wir in den Kirchen wie in der Gesellschaft neue Impulse und Handlungsansätze brauchen.

Potsdamer Friedensdiskurs 2018: Friedensmacht Europa? (hat bereits stattgefunden)

Die „Europäische Integration" war und ist von ihrer Geschichte und Zielsetzung her ein Friedensprojekt. Doch wie wird Frieden Wirklichkeit – und welche Instrumente braucht eine „Friedensmacht", um glaubwürdig, entschieden und wirksam Frieden sichern, fördern und gegebenenfalls auch wiederherstellen zu können?

 

Veröffentlichungen

Der Zukunft durch Abrüstung und zivile Friedenspolitik ein menschliches Gesicht geben Aufruf zur Unterzeichnung des Appells: Mehr fürs Militär? Nicht mit uns!

Kluge zivile Friedenspolitik und effektive Abrüstungsverträge können der Zukunft ein menschliches Gesicht geben. Dafür engagieren wir uns ökumenisch in der Friedensbewegung.

Didaktisches Begleitmaterial zum Film „Schwerter zu Spaten – Bausoldaten in der DDR

Im Info-Material zum Film "Schwerter zu Spaten - Bausoldaten in der DDR" sind in Teil 1 die didaktischen Entwürfe für die Arbeit mit Schüler_innen der Sekundarstufe I und II sowie für Veranstaltungen in Kirchengemeinden zusammengestellt.
Die Materialien können ebenfalls im Ethikunterricht mit Soldat_innen genutzt werden.
In Teil 2 sind Arbeitsblätter mit historischen Fakten zur Geschichte der Bausoldaten, Kurzbiographien der sechs Interviewpartnern des Films sowie Interviews, die weitere Perspektiven von Bausoldaten bzw. die Kriegsdienstverweigerung der DDR beleuchten.

 

Impressum 


Herausgeber
Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK)
im Verein für Friedensarbeit im Raum der EKD e.V. (VfF) 
Endenicher Str. 41
53115 Bonn
Tel.: +49 (0) 228 - 24999- 0
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